Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Einleitung. 
indem sich das zweidimensionale Bild zu plastischer Tiefen⸗ 
wirkung erweitert, erfordert es eine Kunst der Erzählung, 
die mit stets wechselnden Mitteln den wandelnden Aufgaben 
des Moments und der Periode, des Zeitalters und der Jahr⸗ 
hunderte gerecht wrrd. 
Soll es aber dem Historiker, der nichts vermag als zu 
erzählen, nicht vergönnt sein, in besonderen Augenblicken seiner 
Epopöe einmal inne zu halten und hinter den Vorhang zu 
schauen, auf den er die bunten Bilder des Lebens fallen läßt? 
Soll er nicht eine Wißbegier pflegen dürfen, die fragt, was 
denn eigentlich der Inhalt dieser Vorgänge sei und welches 
die Mittel, durch deren Wirkung sie hervorgezaubert werden? 
Die erste Frage, die sich solcher Wißbegier darböte, möchte 
wohl die sein, in welcher Weise denn eigentlich die einzelnen 
Kulturzeitalter innerlich miteinander zusammenhängen. Und 
da ließe sich denn wohl sagen: es wirke sich in ihnen eine 
wachsende Intensität des Seelenlebens aus. Freilich: ist mit 
einer solchen Antwort viel mehr erreicht, als ein zusammen⸗ 
fassender Oberbegriff? Sind die Kammern des Lebens damit 
erschlossen? 
Wenn aus dem Wahrnehmungsinhalte eines Kultur— 
zeitalters der Wahrnehmungsinhalt des nächstfolgenden nicht 
abgeleitet werden kann, wenn es sich hier im Grunde nur um 
anschauliche Kenntnisnahme, nicht um Verständnis handelt, so 
liegt darin nichts Wunderbares. In einem neuen Zeitalter 
frisch auftauchende psychische Erscheinungen verknüpfen sich 
mit denen eines früheren Zeitalters auf ebensowenig voraus⸗ 
zusehende Weise, wie vorauszusehen ist, daß aus der Ver—⸗ 
knüpfung der Wahrnehmungsinhalte Sauerstoff und Wasserstoff 
der Wahrnehmungsinhalt Wasser hervorgehen werde. Denn: 
ein Ding entsteht aus zweien oder mehreren anderen: heißt 
doch eben nur, daß sich zwei oder mehrere Wahrnehmungs— 
inhalte in einen zusammenhängenden, den ersteren gegenüber 
für uns durchaus neuen, verwandelt haben. 
Das tiefste Leben ist in der Geschichte für uns gleich un— 
erkennbar wie in der Natur. Ein lebendiges Blatt bildet
	        
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