Das subjektivistische Zeitalter i. seinem Verhältnis z. individualistischen. 81
hervor: und so vereinfacht und vertieft sich nicht nur, so er—
weitert sich auch die Erkenntnis. Aber es ist ein langsamer
Prozeß, der sich hier vollzieht, und nur dann erscheint die
Teilnahme an ihm des Schweißes der Edlen wert, wenn er
jeglicher Überstürzung fern gehalten wird.
Galt es in diesen einleitenden Worten vor allem, das
Wesen des subjektivistischen Zeitalters gegen die Vergangenheit
der anderen Zeitalter, insbesondere des nächstvorhergehenden,
abzugrenzen, so wird es zum Schlusse von Nutzen sein, auch
einen kurzen Blick in die Zukunft des Subjektivismus, in die
Stufen seiner Entwicklung bis hin zur Gegenwart zu werfen.
Es ist das Programm der letzten vier Bände dieses Werkes:
mit zwei Worten sei es hier gezeichnet.
Mit den Jahren 1740 etwa und 1750 verschwindet der
alte Gegensatz des Rationalismus und Pietismus, jener
Strömungen, die in den Zeiten ihrer reinen Bildung für den
Ausgang des individualistischen und die Vorzeit des subjekti—
vistischen Zeitalters so bezeichnend waren. Der Rationalismus
wird zur Aufklärung, die in die weitesten Kreise dringt.
Der Pietismus lebt in ursprünglicher Haltung nur noch als
Separatismus einzelner Kreise fort; im allgemeinen geht er
in eine mehr ästhetisch als religiös charakterisierte Senti—
mentalität über, die das Gemüt neben der verstandesmäßigen
Aufklärung zu seinem Rechte kommen läßt. Beide neuen
Außerungen bedeuten in diesem Zusammenhange einen aller
dogmatischen Fesseln entkleideten Individualismus: und damit
den Übergang zu dem neuen Zeitalter des Subjektivismus.
Wie durchaus aber in diesem neuen Zeitalter tiefste Regungen
nationaler Fortbildung zum Ausdruck gelangen, ergibt sich
aus der Tatsache, daß beide Strömungen schon in dieser
Übergangszeit besonders das Deutschtum betonen.
Mit dem Emporblühen der Periode der Empfindsamkeit
die zumeist nur aus der Literaturgeschichte bekannt ist, aber
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VIII. 1.