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Einleitung.
gelebt: und was ihm folgen konnte, wenn nicht von außen—
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Impulse des Seelenlebens gegeben wurden, konnte nichts sein
als ein schaler Nachtrag. In der Tat hat sich die Kultur—
entwicklung der fünfziger bis siebziger Jahre in dieser Richtung
bewegt; und die Angehörigen dieser Zeit selbst haben mit
richtiger Einsicht schon von einem Epigonentum der großen
Zeiten des Subjektivismus gesprochen.
Aber war damit die Entfaltung des Subjektivismus über—⸗
haupt abgeschlossen und vollendet?
Wer wollte das heute noch behaupten wollen! Schon
längst hatten sich Spuren eines neuen, höheren Subjektivismus
gezeigt: jenes Seelenlebens, das sich auch heute noch erst auf
dem Wege zu seiner vollen Entfaltung befindet. Die Un—
summen neuer Reize, die dies neue Seelenleben auslösten,
indem sie die Vorstellungswelt und in ihrem Gefolge auch die
Welt der Phantasie und des Gemütes, der Triebe und der
Willensakte von Grund aus änderten, sind bekanntlich der
Hauptsache nach von den gewaltigen wirtschaftlichen und bald
auch sozialen Umwälzungen ausgegangen, welche die deutsche
Welt seit den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts zu be—
wegen begannen, um in der Zeit der großen Kriege, im siebenten
und achten Jahrzehnt etwa, zu vollem Siege vorzudringen.
Von da ab begann mithin eine neue Entwicklungsperiode des
Subjektivismus: jene, in deren Mitte wir groß geworden sind
und heute atmen.
Nicht als ob nicht auch schon die erste große Entwicklungs⸗
reihe der Zeit von 1750 bis etwa 1870 mit unter dem Ein—
flusse der Entfaltung wirtschaftlicher und sozialer Faktoren
gestanden hätte. Im Gegenteil: es wird sehr bald genauer
erzählt werden, wie das Zeitalter des modernen Wirtschafts—
lebens, die Volkswirtschaft des Unternehmertums, auf deutschem
Boden nicht eben viel später, als auf dem westeuropäischen
Englands und Frankreichs Fuß gefaßt hat, und wie ein erster
Höhepunkt dieser Entwicklung schon in die Jahre etwa 1720
bis 1730 oder 1740 fällt. Und schon damals sind aus dieser