50 — Zweiundzwanzigstes Buch.
deren Wesen noch heute in der Poeterei unserer Singspiel⸗
hallen lebendig ist. Dabei hebt sich der Ton gelegentlich wohl
höher, namentlich wenn die Einkleidung eine andere ist, am
höchsten vielleicht in dem „Kaplied“ vom Jahre 1787, einem
rührenden Geleitssange für ein Regiment, das vom Württem⸗
berger Herzog zum Kriegsdienst am Kap der guten Hoffnung
berkauft worden war:
Auf, auf! ihr Brüder, und seid stark!
Der Abschiedstag ist da!
Schwer liegt er auf der Seele, schwer!
Wir sollen über Land und Meer
Ins heiße Afrika!
Ist hart! — drum wirble du, Tambour,
Den Generalmarsch drein.
Der Abschied macht uns sonst zu weich,
Wir weinten kleinen Kindern gleich; —
Es muß geschieden sein.
debt wohl, ihr Freunde! Sehn wir uns
Vielleicht zum letztenmal;
So denkt, nicht für die kurze Zeit,
Freundschaft ist für die Ewigkeit,
Und Gott ist überall.
Hier ist der Objektivität eine ergreifende Innigkeit bei—
gemischt; die Sprache, die Wörter fallen fast zu hart für
das, was der Dichter zwischen den Zeilen meint; es kam für
Schubart ein persönliches Moment ins Spiel: unter den Offi⸗
zieren waren vieljährige Asperger Freunde des Dichters: es
ist wie ein Übergang zur Dichtung des subjektiven Erlebnisses.
Schubart hat auch sonst wohl diesen Ton angeschagen. So
in seinen zahlreichen geistlichen Gedichten. Und hier erlauben
auch einige das Maß abzustecken, in dem Haller in seinen
philosophischen Gedichten und unser Dichter voneinander ent—
fernt sind. So die Anfangsstrophen des Gedichtes über die
Ewigkeit 1.
1 Vgl. dazu oben S. 418. Man ogl. auch Schillers dem Stoffe
aach verwandtes Gedicht.