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Zweiundzwanzigstes Buch.
wicklung ein, die, freilich zunächst noch schüchtern und nicht
völlig klar, an die ersten Entwicklungsmomente des neuen
subjektivistischen Seelenlebens anknüpfte. Und hier erscheint
nun ein ganz anderer Pol des Seelenlebens in den Vorder—
grund der Betrachtung gerückt: das Gemüt. Es ist die Ent—
wicklung, die wir an dieser Stelle genauer zu verfolgen haben.
Anknüpfung zu einer neueren Auffassung in dieser Rich—
tung bot im gewissen Sinne schon Wolff und noch mehr, ja
überraschend stark vor Wolff, indes in dieser Einwirkung eben
durch Wolffs Einfluß verdrängt, Leibniz. Beide hatten, Leibniz
grundsätzlich und selbständig, Wolff mehr gedrängt, neben dem
Gebiete klarer Vorstellungen des Seelenlebens auch ein Gebiet
mehr oder minder unbewußter Tätigkeit der Seele zugelassen,
da sich bei eingehender Betrachtung denn doch nicht alle
seelischen Vorgänge als Funktionen des Verstandes begreifen
ließen: und es handelte sich dabei eben um das Gebiet, das
die neue Zeit unter dem vieldeutigen Worte des Gemütslebens
begriff.
Darüber hinaus aber war die Einführung dieser neuen
Seite des Seelenlebens in den Bereich der Psychologie auch
schon von den letzten Vertretern des Pietismus, freilich unklar
genug, versucht worden; so hat Schulz in Königsberg eine
Verbindung zwischen ihr und der rationalen Psychologie Wolffs
gesucht. Und dann war die Neigung, dies neue Moment an⸗
zuerkennen, im Laufe der dreißiger und vierziger Jahre aus
einem begreiflichen Reaktionsgefühl gegen den stets trockener
und unfruchtbarer verlaufenden spekulativen Rationalismus
immer mehr gewachsen.
Den eigentlichen Ausschlag aber gab doch erst das ge—
waltige Emporbäumen des subjektiven Gefühls in Empfind⸗
samkeit und Sturm und Drang: erst von nun an läßt sich
allenthalben eine zunehmende Neigung zum unvoreingenommenen
Studium des Menschen und namentlich auch seiner unbewußten
Seelentätigkeit, soweit sie im Gefühl verläuft, beobachten. Die
Psychologie wurde dadurch zunächst frei von den metaphysischen
Fesseln der Vergangenheit; und mindestens begann man schon