Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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Hier ist das Volkstümliche schon viel tiefer mit der Emp⸗ 
findung des Dichters verschmolzen; so breit die Schilderung 
noch ist, z. B. im letzten Verse, und damit objektive Elemente 
festhält: — dennoch wagt sich die Subjektivität des Dichters 
flott hervor — und in den Mittelpunkt der Lyrik tritt das 
Liebeslied. Das Höchste von persönlicher Belebung, von inner— 
lichem Pathos, das Bürger in dieser Richtung erreicht hat, 
sind wohl die folgenden, Himmel und Erde, überschriebenen 
Verse schon des Jahres 1778: 
In dem Himmel quillt die Fülle 
Heiß ersehnter Seligkeit. 
Ich auch, wär' es Gottes Wille, 
Tränke gern aus dieser Fülle 
Labsal für der Erde Leid: 
Für den Wurm, der meiner Tage 
Rosenblüte giftig sticht; 
Dessen Schmerz ich in mir trage, 
Den ich Arzt und Priester klage: 
Aber ach! das hilft mir nicht. 
Längst sind über Tal und Hügel 
Alle Freuden mir entflohn. 
Lahm sind meiner Hoffnung Flügel. 
Rauher Hindernisse Hügel 
Sprechen selbst den Wünschen Hohn. 
Dennoch setzt' auch ich auf Erden 
Gern noch fort den Pilgerstab. 
Sollte Molly mir nur werden, 
Trüg' ich aller Welt Beschwerden 
Noch den längsten Pfad hinab. 
Kann darüber kein Zweifel sein — wie es denn seiner 
immer wieder ausgesprochenen klaren Absicht entsprach — daß 
Bürger hier sein Innenleben mit dem höchsten, ihm erreichbaren 
Naturalismus bloßlegen, daß er sich ganz geben wollte, so 
erhellt doch, wie wenig ihm das, am Maßstabe späterer mehr 
voslendeter subjektivistischer Dichtung, gelang. Immer noch 
bleibt ein beherrschender Hauch äußerer Beschreibung, objektiver 
Auffassung: der Dichter nimmt gleichsam, so sehr er sie um—
	        
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