Neue Dichtung.
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objektiv zu durchdringen, sich in der Dichtung selbst gesetzt und
damit in der Welt nur subjektiv bespiegelt hat.
Aber ist dies die einzige Art von Humor? Es ist am
Ende doch der Humor vornehmlich des Kleinen, Unbedeutenden,
Philiströsen: eben der Humor, der den sozialen Voraussetzungen
der empfindsamen Periode und auch der Umwelt entsprach, in
der sich Jean Paul und andere, spätere Humoristen mit Vorliebe
bewegten. Und hat nicht die Zeit unseres hohen Idealismus
selbst schon Jean Paul eben diesem Lebenskreise zugewiesen —
die Zeit, die das Hohe, Gewaltige, ergreifend Schöne pflegte
und von verhaltenem Pathos erklang? „Der Humor“, meint
Goethe, „ist eines der Elemente des Genies, aber sobald er
— E begleitet die ab⸗
nehmende Kunst, vernichtet sie zuletzt.“
In der Tat war die Kunstform, in der Jean Paul sich am
liebsten bewegte, der Roman absterbender Empfindsamkeit, wenn
auch in Versetzung mit manchen uns heute sehr modern an—
nuienden Elementen: nichts jedenfalls von dem überkräftigen
Realismus, den Sturm und Drang inzwischen gezeitigt hatten;
Anschauung überhaupt nur im kleinen Bereiche der nächsten Welt
und auch hier noch in systematischer Dürftigkeit und pedan⸗
tischer Vollständigkeit gepflegt; Mangel endlich an Befähigung,
einfache Charaktere auf die Beine zu stellen. Statt dessen,
nicht ohne Anlehnung an den alten Fielding, an Sterne und
Rousseau, eine schranken⸗ und maßstablos zum Himmel strebende
Empfindung, Maskierung des Vermögens, real zu sehen, durch
die Erzeugnisse einer barocken Launenhaftigkeit, und ständige
Unterbrechung des Ganzen der Erzählung durch tausend Analogie—
einfälle, die nicht selten einer umfangreichen Zettelkasten⸗Gelehr⸗
amkeit verdankt wurden.
Diese Charakteristik mag heute manchem hart erscheinen.
Gewiß erhellen sich ihre dunklenSeiten, sobald man Jean Pauls
Verhältnis nicht so sehr zu dem historischen Orte seines Ur⸗
sprunges, wie zu den erst werdenden Mächten der Romantik
betrachtet, in deren Bereich schon seine literarische Tätigkeit ge⸗
fallen ist. Dann mag man in seinem empfindsamen Humor ein