Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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Mit diesen Sätzen stehen wir an dem Urquell des Idea— 
lismus Schillers; die Idee der Suprematie des Willens hat 
der Dichter selbst in Sätzen wie dem folgenden ausgedrückt, 
daß es schönstes Ziel des Menschen sei, „der Mechanik seinen 
Natur nach Gefallen mitzuspielen und das Uhrwerk empfinden 
zu lassen, daß ein freier Geist seine Räder treibt“. Und in 
Leben und Sterben hat er diesen Satz mit seinem Blute be— 
siegelt. Es ist der Zusammenhang, aus dem her Goethe später 
äußern konnte, durch alle Werke Schillers sei die Idee der 
Freiheit gegangen. 
Wie anders Goethe selbst! In einem Briefe an Schiller 
hat er sein Talent eine Naturkraft genannt, die, wie sie sich 
selbst bilden muß, auch aus sich selbst und auf ihre eigene 
Weise wirke. Klingt das nicht fast wie eine Definition des 
naiven Dichters? So versteht es sich, daß Goethe einen 
Unterschied zwischen Geist und Natur im Grunde nicht kannte: 
Geist und Natur sind eines nur. Und als höchstes Ziel mensch— 
licher Bildung und Kunst erschien es ihm, das Bewußtsein der 
allumfassenden Bedeutung einer durchgeistigten Natur zu fördern 
und ungetrübt fortzupflanzen: 
Am Sein erhalte dich beglückt! 
Ist das nicht zugleich die vollständige Absage an eine Welt— 
anschauung und ein Temperament, wie diejenigen Schillers? 
Dennoch gab es, in ideglistischer Richtung von der Natur 
her, Vereinigungspunkte höchster Art, in denen die Dichter 
sich ausglichen und zu höchstem Schaffen trafen. 
In jenem Briefe zu Goethes Geburtstage im Jahre 1794, 
mit dem Schiller Goethes Herz gewann, sagt er ihm: „Sie 
suchen das Notwendige der Natur, aber Sie suchen es auf 
dem schwersten Wege, vor welchem jede schwächere Kraft sich 
wohl hüten wird. Sie nehmen die ganze Natur zusammen, 
um über das einzelne Licht zu bekommen; in der Allheit ihrer 
Erscheinungsarten suchen Sie den Erklärungsgrund für das 
Individuum auf .... Wären Sie als ein Grieche, ja nur 
als ein Italiener geboren worden, und hätte schon von der
	        
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