Neue Dichtung.
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bei Sophokles und innerlich fast zermürbt bei Euripides: allein
da die Stoffe, welche diese und andere Dichter behandelten, dem
alten Sagenvorrat entstammten, dessen Fabeln unter dem vollen
Walten der Transzendenz entstanden waren, so ließ sich diese
Art von Schicksalsidee dennoch nicht ganz ausmerzen: sie sah
überall durch und wurde in ihrer unvertilgbarsten Form, der
des Fluches, der von Generation zu Generation innerhalb eines
Geschlechtes fortwaltet, von der hellenischen Renaissance des
Endes des 18. Jahrhunderts als das spezifisch Griechische und
Antike des Dramas empfunden.
Von dieser Auffassung ging auch Schiller in der „Braut
bon Messina“ aus. In der Tat ist die Schicksalsidee dieses
Stückes fast ganz die antike:
Wahl, meine Mutter,
Ist's Wahl, wenn des Gestirnes Macht den Menschen
Frreicht in der verhängnisvollsten Stunde?
So äußern die Personen des Stückes selbst eine fatalistische
Auffassung der Dinge; Traumdeutungen nach Art antiker
ODrakelsprüche werden eingeführt; und gleich der Moira der
Odipussage lastet ein Fluch über dem Hause der Herrscher.
Höchstens ließe sich sagen, daß dieser Fatalismus noch durch
den Chor begrenzt sei, als dessen Aufgabe es erscheint, „die
sinnliche Welt, die sonst nur als roher Stoff auf uns lastet,
als eine blinde Macht auf uns drückt, in eine objektive Ferne
zu rücken, in ein freies Werk unseres Geistes zu verwandeln
und das Materielle durch Ideen zu beherrschen“. Und wer
nöchte leugnen, daß ein edelster Glanz Schillerscher Sprache
den Chor fähig erweist, sich in diese Rolle hineinzubegeben?
Wer nicht bewundern, wie gerade in diesem Drama der Stoff
ganz von der Form überwunden ist: Einheit der Zeit, seltener
Szenenwechsel, harmonisches Gegengewicht der Gestalten unter—
einander, Typ und Antityp im Fortschritte der Handlung?
Aber atmen die Personen dabei wirklich noch, unter der Schnür—
hrust dieser Form — sind sie noch individuelle Charaktere und
nicht vielmehr erstarrte Typen?
Wie weit Schiller schließlich in einem erbarmungslosen
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