Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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bei Sophokles und innerlich fast zermürbt bei Euripides: allein 
da die Stoffe, welche diese und andere Dichter behandelten, dem 
alten Sagenvorrat entstammten, dessen Fabeln unter dem vollen 
Walten der Transzendenz entstanden waren, so ließ sich diese 
Art von Schicksalsidee dennoch nicht ganz ausmerzen: sie sah 
überall durch und wurde in ihrer unvertilgbarsten Form, der 
des Fluches, der von Generation zu Generation innerhalb eines 
Geschlechtes fortwaltet, von der hellenischen Renaissance des 
Endes des 18. Jahrhunderts als das spezifisch Griechische und 
Antike des Dramas empfunden. 
Von dieser Auffassung ging auch Schiller in der „Braut 
bon Messina“ aus. In der Tat ist die Schicksalsidee dieses 
Stückes fast ganz die antike: 
Wahl, meine Mutter, 
Ist's Wahl, wenn des Gestirnes Macht den Menschen 
Frreicht in der verhängnisvollsten Stunde? 
So äußern die Personen des Stückes selbst eine fatalistische 
Auffassung der Dinge; Traumdeutungen nach Art antiker 
ODrakelsprüche werden eingeführt; und gleich der Moira der 
Odipussage lastet ein Fluch über dem Hause der Herrscher. 
Höchstens ließe sich sagen, daß dieser Fatalismus noch durch 
den Chor begrenzt sei, als dessen Aufgabe es erscheint, „die 
sinnliche Welt, die sonst nur als roher Stoff auf uns lastet, 
als eine blinde Macht auf uns drückt, in eine objektive Ferne 
zu rücken, in ein freies Werk unseres Geistes zu verwandeln 
und das Materielle durch Ideen zu beherrschen“. Und wer 
nöchte leugnen, daß ein edelster Glanz Schillerscher Sprache 
den Chor fähig erweist, sich in diese Rolle hineinzubegeben? 
Wer nicht bewundern, wie gerade in diesem Drama der Stoff 
ganz von der Form überwunden ist: Einheit der Zeit, seltener 
Szenenwechsel, harmonisches Gegengewicht der Gestalten unter— 
einander, Typ und Antityp im Fortschritte der Handlung? 
Aber atmen die Personen dabei wirklich noch, unter der Schnür— 
hrust dieser Form — sind sie noch individuelle Charaktere und 
nicht vielmehr erstarrte Typen? 
Wie weit Schiller schließlich in einem erbarmungslosen 
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