Bildende Kunst und Musik
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Munchen 1814 und Schinkels in Berlin 1815. Klenze, ein
Obersachse, der im Jahre 1864 starb, hat in München vor⸗
nehmlich die Glyptothek (1816ff.) und die Propyläen (1846 ff.),
dazu die bayerische Ruhmeshalle hinter der Bavaria und
bei Regensburg die Walhalla (vollendet 1842) gebaut, die
Glyptothek mit einer ionischen Säulenstellung, dorische Säulen
vor den anderen Bauten: sogar die Walhalla ist ein dorischer
Tempel. Wie der Meister diese Bauten selbst ansah, läßt sich
qaus seiner Meinung ermessen, daß die Akropolis zu Athen der
große Probierstein klassischen Kunstsinnes sei, und daß, wer
in ihrem Anblick nicht geheilt werde von „individuellen und
typisch nationalen Aberrationen“, gerichtet sei vor dem Areopage
der Rachwelt. Freilich hat er selbst diesen Worten nicht nach—
gelebt, nicht nachleben können. Gerade in München hatte sich
noch bis ins 19. Jahrhundert hinein recht viel erhalten von
dem alten Kunstbetriebe des Rokokos und Barocks; den neuen,
auf absolute Reinheit gerichteten Absichten stellte sich diese Über⸗
lieferung entgegen, und ihr stilles Wirken führte dazu, daß
gerade die Bauten des Münchener Klassizismus ein gutes Teil
erhielten von jenem Malerischen der Anlage und der Wirkung,
das man als einen der eingeborensten und durchgehendsten
Züge der Architektur des 19. Jahrhunderts hetrachten kann.
Und gibt schon dies der Münchener Antike eine ganz besondere
Prägung, so noch mehr der Umstand, daß sie im Grunde
doch abhängig war von einem einzigen Willen, dem König
Ludwigs J. Ludwig aber war doch nicht so antik, daß er
nicht im Innersten seines Herzens lieber deutsch hätte sein
wollen, und nicht so sehr Kunstfreund und dem herrschenden
Stil verschworen, daß er nicht sein München in jeder Hin—
sicht hätte schmücken wollen und darum eben zu einem Stell⸗
dichein aller Stile, schon gedachter wie noch denkbarer gemacht
hätte. Und so mußte schon Klenze selbst in dem Festsaalbau der
Residenz zu einer Behandlung der Antike übergehen, der man
später Palladianismus vorwerfen konnte, ja er mußte die Aller⸗
heiligen-Hofkirche nach dem Muster der Capeélla palatina zu
Neapel aufführen, eines reizvollen Gemisches byzantinischer,