Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
doch noch feinen Sinn für die graziöse Linienführung des 
Rokokos, während er den barocken Elementen ferner steht. Und 
auf Geleisen, die der Auffassungsweise Osers verwandt waren, 
hat sich der Hauptsache nach auch noch Dannecker (1758 - 1841) 
bewegt. Denn auch er verband den Klassizismus mit jener 
Anmut etwa, die Canova, der ihn während seines Aufenthalts 
in Rom stark beeinflußt hat, aus dem Rokoko in die neue 
Antike gerettet hatte; so zeigt ihn vor allem sein bekanntestes 
Werk, die „Ariadne“ im Bethmannschen Hause zu Frankfurt, 
mit dem graziösen Bau ihrer sinnlich schwellenden Glieder. 
Daneben aber lebte in Dannecker doch schon ein Zug viel 
realistischeren Charakters; und der tritt denn vor allem da 
hervor, wo er sich in der Plastik, wie in der Malerei, über— 
haupt schwer vermeiden ließ: im Bildnis. So ist namentlich 
Danneckers realistische Schillerbüste ein wahres Meisterstück 
plastischen Wirklichkeitssinnes und weitaus die beste uns über— 
lieferte Darstellung des Dichters. Freilich: nicht sie hat Dan— 
necker fuür das Hauptwerk gehalten, sondern jene nach ihr ge⸗ 
schaffene idealisierende Büste Schillers, die noch heute die in 
der Nation am besten bekannte ist. 
Noch um einige Schritte weiter der Gegenwart zu und 
vom Rokoko ab rückte Gottfried Schadow (1764 - 1850). 
Schon Schadows Lehrer Tassaert (1720- 1788), ein Meister, 
der im Jahre 1774 aus Paris von Friedrich dem Großen nach 
Berlin berufen wurde, war in einer für seine Zeit erstaunlichen 
Weise den Weg der Natur gegangen; und in den Statuen 
der Generäle Seidlitz und Keith (jetzt im Kadettenhaus zu 
Lichterfelde) war er dabei bis zu einem grundsätzlichen Realismus 
der äußeren Auffassung — die Generäle erscheinen in der 
Uniform ihrer Regimenter — und zu einer wunderbar gegen⸗ 
ständlichen und ergreifenden Wiedergabe auch des inneren 
Wesens der Dargestellten vorgedrungen. Schadow schritt nun 
zunächst in diesem Sinne weiter; seine Standbilder Ziethens 
(17983) und des Alten Dessauers (1805) sowie die für Stettin 
geschaffene Marmorstatue Friedrichs des Großen (1793) gehören 
nach Tiefe der Charakteristik und Treue der äußeren Dar—
	        
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