Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Bildende Kunst und Musik. 
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entsteht diejenige Kunstform, die seitdem als deutsche Oper fort— 
gelebt hat, und als deren vollkommen ebenbürtige, ja schon 
höher stehende Erscheinung auf etwa gleichem Entwicklungs-— 
niveau Beethovens „Fidelio“ zu verzeichnen wäre. 
5. Die Entwicklung des musikalischen Dramas, mag es 
komischen oder ernsten Inhalts sein, wird bis zu einem ge— 
wissen Grade immer zugleich die Entwicklung der musikalischen 
Werte der menschlichen Stimme bleiben. Und sie war es noch 
in besonders hohem Maße in der frühsubjektivistischen Periode, 
in einer Zeit, die aus der Vergangenheit her noch nicht eine 
stark und mannigfach entfaltete Instrumentalmusik ins Feld 
zu stellen vermochte. 
Allein inzwischen war für das erweiterte Gebiet musikalischer 
Empfindungen, das jetzt immer mehr über das Reich des nur 
Musikalisch-Formschönen in die unendlichen Fernen der per— 
sönlichen Stimmung hinein verlief, auch die Instrumentalmusik 
zu schattierungsreicher Ausdrucksfähigkeit entwickelt worden. 
Und es zeigte sich, daß sie unter den neuen seelischen Ver— 
hältnissen schließlich noch reicher fast an Wirkungen sein konnte 
als selbst die menschliche Stimme. 
Schon die Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts hatte 
sich das Gebiet eines rein musikalisch-kunstmäßigen Auswirkens 
erobert; und ihre Poesie ist darum diejenige, die sich aus dem 
reinen Wohlgefallen an Tönen und kunstgerechten Verbindungen 
dieser ergibt. Wohlklang also und Einheit objektiven Selbst⸗ 
auslebens der Töne noch ohne wesentliche Beeinflussung durch 
die künstlerische Persönlichkeit: dementsprechend ein polyphoner 
gebundener Stil, der seine Gesetze, die einer objektiven Musik, 
in sich selber trägt: das war das Exreichte und Regelmäßige; 
und nur solche musikalische Formen, die als der Phantasie 
ganz besonders geweiht bekannt und anerkannt waren, wie die 
Toccata oder das Präludium, überschritten diese Grenze. 
Jetzt dagegen, in dem neuen Zeitalter des Subjektivismus, 
begann die Instrumentalmusik sich in viel weiterem Ausleben 
zu entfalten. Die Themata wurden nach dem Empfindungs—
	        
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