Bildende Kunst und Musik.
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entsteht diejenige Kunstform, die seitdem als deutsche Oper fort—
gelebt hat, und als deren vollkommen ebenbürtige, ja schon
höher stehende Erscheinung auf etwa gleichem Entwicklungs-—
niveau Beethovens „Fidelio“ zu verzeichnen wäre.
5. Die Entwicklung des musikalischen Dramas, mag es
komischen oder ernsten Inhalts sein, wird bis zu einem ge—
wissen Grade immer zugleich die Entwicklung der musikalischen
Werte der menschlichen Stimme bleiben. Und sie war es noch
in besonders hohem Maße in der frühsubjektivistischen Periode,
in einer Zeit, die aus der Vergangenheit her noch nicht eine
stark und mannigfach entfaltete Instrumentalmusik ins Feld
zu stellen vermochte.
Allein inzwischen war für das erweiterte Gebiet musikalischer
Empfindungen, das jetzt immer mehr über das Reich des nur
Musikalisch-Formschönen in die unendlichen Fernen der per—
sönlichen Stimmung hinein verlief, auch die Instrumentalmusik
zu schattierungsreicher Ausdrucksfähigkeit entwickelt worden.
Und es zeigte sich, daß sie unter den neuen seelischen Ver—
hältnissen schließlich noch reicher fast an Wirkungen sein konnte
als selbst die menschliche Stimme.
Schon die Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts hatte
sich das Gebiet eines rein musikalisch-kunstmäßigen Auswirkens
erobert; und ihre Poesie ist darum diejenige, die sich aus dem
reinen Wohlgefallen an Tönen und kunstgerechten Verbindungen
dieser ergibt. Wohlklang also und Einheit objektiven Selbst⸗
auslebens der Töne noch ohne wesentliche Beeinflussung durch
die künstlerische Persönlichkeit: dementsprechend ein polyphoner
gebundener Stil, der seine Gesetze, die einer objektiven Musik,
in sich selber trägt: das war das Exreichte und Regelmäßige;
und nur solche musikalische Formen, die als der Phantasie
ganz besonders geweiht bekannt und anerkannt waren, wie die
Toccata oder das Präludium, überschritten diese Grenze.
Jetzt dagegen, in dem neuen Zeitalter des Subjektivismus,
begann die Instrumentalmusik sich in viel weiterem Ausleben
zu entfalten. Die Themata wurden nach dem Empfindungs—