Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

UNeue Weltanschauung. 
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deutigen Satz gelehrt, daß der Mensch das Maß aller Dinge 
sei; und Demokrit bereits betrachtete Temperatur, Geschmack, 
Geruch, Ton und Farbe als menschlich-konventionelle Be— 
zeichnungen für gewisse Eigenschaften und Wirkungen der 
Dinge. Und auch in der neueren Philosophie, deren Ent— 
wicklung ja aufs engste mit der Genesis der Naturwissenschaften 
zusammenhängt, ist die Anschauung gelegentlich schon früher 
vertreten. So erging sich Servede wenigstens in Ahnungen 
subjektivistischer Erkenntnistheorie, und ein Jahrhundert später 
(ca. 1630) lehrte Herbert von Cherbury den Satz, daß die 
Bedingungen der Wahrheit nicht aus Erfahrung und Be— 
obachtung abgeleitet werden könnten, sondern ihrerseits viel— 
mehr die Voraussetzung jeder möglichen Erfahrung und Er— 
kenntnis bildetent. Darauf gelangte Descartes zu der Er— 
kenntnis, daß durch unsere Empfindungen und Wahrnehmungen 
nicht Eigenschaften der Dinge an sich gegeben seien; und 
Leibniz erschien die wesenhafte Welt durch die Sinne und 
deren Auffassungsweise in Raum und Zeit nicht erfaßbar, ja 
ihm wurde der Raum bereits zu einem „Continuum ideale“, 
zu einer Vorstellung, welche nur auf das Wirkliche hinweise, 
nicht aber dieses selbst sei. 
Allein Ernst mit dieser Lehre bis zur Ausbildung eines 
absoluten Phänomenalismus hatte man bisher wenigstens in 
Deutschland dennoch nicht gemacht. Jetzt dagegen, in den 
Anfangszeiten der neuen Psychologie, als die in der geistigen 
Gesamthaltung des individualistischen Zeitalters gegebenen 
Stützen der rationalistischen Erkenntnistheorie zusammenbrachen 
und man der großen Frage nach der Möglichkeit der Erkennt— 
nis zunächst ratlos gegenüberstand, wagte man es, in den 
Jahrzehnten einer noch durch keine Kritik gelähmten Empfind— 
samkeit und des ausschweifenden Subjektivismus des Sturmes 
und Dranges die Welt gegenüber der Selbstherrlichkeit des 
Subjekts für unser Denken in bloßen Schein aufzulösen. 
Im Jahre 1753 gab der Tübinger Professor Ploucket 
S. dazu Dilthey, Arch. f. Gesch. d. Phil. VII, 38.
	        
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