Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Weltanschauung. 
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zu haben, dazu kann es keine Verpflichtung durch andere 
geben.“ 
So ergießt sich die Herbheit dieses Sittengesetzes hinab bis 
in einzelne Vorschriften; ein scharfer Höhenwind durchweht 
es; durch Welten ist es getrennt von der Sittenlehre des 
Rationalismus wie des späteren Positivismus. Dieser Charakter 
aber ist ihm gegeben durch die Apriorität des Aufbaus seiner 
obersten Prinzipien: über alle Erfahrung hinweg ragt es mit 
diesen als eine Forderung innigsten und persönlichsten Glaubens 
hinein in die ewigen Firnen der Metaphysik. 
Auf diesem Gebiete größter Fragen jeglicher Weltanschauung 
aber wirkt es sich nun mit entscheidender Klarheit weiter aus. 
Die Kritik der reinen Vernunft war zu dem Ergebnisse 
gelangt, daß eine Welt selbstherrschender Vernunft, eine Welt 
der Ideen jenseits jener Welt der Erscheinungen stehe, die wir 
durch unsere Verstandeskräfte kennen lernen, und der wir nach 
dem Charakter der Funktionen dieser diejenigen Gesetze geben, 
die sie uns verständlich machen. Und sie hatte über den wesent— 
lichen Inhalt dieser ideologischen Welt Gedankenreihen ent⸗ 
wickelt, in deren Mittelpunkt die Fragen nach dem Dasein 
Gottes, nach Freiheit und nach Unsterblichkeit standen. 
Zu lösen waren diese Fragen theoretisch freilich nicht; 
denn das menschliche Erkenntnisvermögen, trotz seiner aprio⸗ 
rischen Formen nur auf die Welt der Erscheinungen berechnet, 
erschien als unfähig, in die Welt der wahren Wirklichkeit 
einzudringen. Diese Welt galt vielmehr, wie wir inzwischen 
belehrt worden sind, als zugänglich nur vermittelst des ver⸗ 
nünftigen Willens, der Sittlichkeit. So können auch seine 
großen Probleme, Gott, Freiheit, Unsterblichkeit, erschlossen 
werden nicht auf dem Wege des Erkennens, sondern nur auf 
dem Wege der sittlichen Forderung. Gott, Freiheit, Unsterb— 
lichkeit bestehen mithin für uns nur, weil sie Forderungen 
unseres sittlichen Willens sind; und erst in diesem Gedanken 
Heinze-Überweg IIIs, 1, 315. 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VIII. 2.
	        
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