Neue Weltanschauung.
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man die geologischen Epochen der Erdentwicklung, soweit er
sie erkannte, biologisch betrachten müsse; der Entwicklung der
Erdoberfläche schienen ihm gestaltende Kräfte von höheren
Bildungsprinzipien, als sie in Chemie und Physik bekannt
ind, zugrunde zu liegen: sie erwiesen sich ihm in der Faltung
und Lagerung der Massen tätig und hatten so in ihrer lang—
samen Auswirkung durch unendlich lange Zeiträume hin die
heutige geologische Welt geschaffen.
Sein Hauptaugenmerk aber wandte Goethe unter diesen
Umständen ganz besonders den naheliegendsten biologischen
Problemen zu, den Fragen der Botanik und der Zoologie
also im weitesten Verstande: kaum bedurfte es da noch der
äußeren Anregung, die er 1776 in Weimar durch Schenkung
eines Gartens von seiten seines Herzogs erhielt, um ihn auf
die anscheinend elementarste der hier in Betracht kommenden
Aufgaben, auf die Biologie der Pflanzenwelt, hinzuweisen.
Was er nun hier suchte und schließlich schaute hinter den
mannigfaltigen Formen der Flora, war nicht etwa eine mög⸗
lichst einfache Pflanze, ein niedrig stehendes pflanzliches Lebe—
wesen, aus dem in unendlich langer zeitlicher Entwicklung die
höher organisierten Pflanzen durch irgendwelche Wirkungen
hervorgegangen wären; fern blieb er dem Darwinischen Ge—
danken einer kausalen Entwicklung. Und fern war er auch
verwandten Vermutungen Kants, die freilich der Königsberger
Weise selbst, obwohl er sie etwas genauer ausführte, ein „ge—
wagtes Abenteuer der Vernunft“ genannt hatte. Was er zu
finden bestrebt blieb, war gewiß auch eine Urpflanze, doch
ganz anderen Charakters. Er nahm an, allen Pflanzen müsse
die im Grunde zeit- und raumlose, aber energiebegabte Idee
eines allgemeinsten pflanzlichen Typus zugrunde liegen, ein
Gebilde, das die Fähigkeit zur Ausbildung nicht bloß aller
wirklich bestehenden, sondern auch noch zahlreicher, einstweilen
nur denkbarer Pflanzenformen in sich trage; ein Gebilde, das
mit Geistesaugen sehr wohl zu schauen sei und das mit einem
einzigen Blick das wirkende Ganze jeglicher Pflanzenwelt zu
erfassen erlaube. Das Gebilde selbst anschaulich zu gestalten,
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