Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

86 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
weniger sie fertig, um so mehr Gegenstand der Kritik ist und 
aicht der Historie.“ 
Für die nationale Entwicklung aber ergab sich daraus die 
Notwendigkeit, nicht dem Rate Schillers zu folgen, den er 
übrigens auch selbst praktisch wenn nicht verschmäht, so doch ein— 
geschränkt haben würde, sondern hart und streng nach dem zu 
streben, was dem neuen Erziehungsideal eben noch fehlte, nach 
seiner nationalen Bestimmtheit. 
Es ist ein Prozeß, der schon früh beginnt; der aber, soweit 
er wirksam wird, zunächst eine wesentlich staatliche Färbung 
annimmt. Denn praktisch betrachtet sind „Bürger und Mensch 
einander nicht entgegengesetzt, wie Rousseau behauptet“, sondern 
eins. Und hier wird nun eine Verbindung zwischen Staat 
und Erziehung zunächst dadurch angebahnt, daß man fordert, 
eben der Staat solle die sittliche Erziehung der Einzelperson, 
ihre Aufklärung, ihre Veredelung durchfüühren: wobei dann 
ohne weiteres Zugeständnisse an eine auch politische Erziehung 
im Sinne eben des Staates gemacht werden. Es war bis zu 
einem gewissen Grade der Standpunkt schon Basedows und der 
frühen Philanthropinisten, ohne daß freilich schon die Gemüts— 
und Willenserziehung stärker betont worden wäre. Aber hier— 
über ging dann die jüngere, braunschweigische Gruppe der 
Philanthropinisten, also Campe und andere, bereits hinaus: bei 
ihnen machten sich schon die spezifisch subjektivistischen Ideale, 
deren konkret pädagogische Vertretung bis dahin noch gefehlt 
hatte, bemerklich: die Einzelperson soll von sich aus, im Bereiche 
ihres Lebenwollens und Lebenkönnens, gefördert werden in 
allen ihren Richtungen; geschähe das selbstlos seitens des 
Staates, so werde sich dabei eben auch das richtige Staats— 
leben einfinden. Und wiederum eine etwas höhere Stufe 
subjektivistischer Forderungen wird dann in den neunziger 
Jahren vornehmlich erreicht; vertreten ist sie z. B. durch 
Stephani, Zöllner, Zachariage, Pölitz, Krug; und charakteristisch 
Trapp Ephilanthropinisth im „Brauuschweig. Journal“ 1788 
2. Stück, S. 269.
	        
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