Contents: Amerikas internationale Kapitalwanderungen

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Erst als sich in England eine starke finanzielle Knapp- 
heit geltend machte, erlaubte Wilson die Aufnahme von 
langfristigen Krediten, so daß es Anfang Oktober - 1915 
England und Frankreich gelang, zur Begleichung ihrer drin- 
gendsten Verpflichtungen aus Kriegslieferungen, besonders 
bei dem Bankhaus J. P. Morgan & Co., die sogenannte 
5%ige französisch-englische Valuta-Regulierungs-Anleihe in 
Höhe von 500 Millionen Dollar unterzubringen (Emissions- 
kurs: 96). Indessen wurden nur 40 Mill. Dollar hiervon im 
Publikum untergebracht !. 280 Mill. Dollar blieben bei 
J. P. Morgan & Co., während das Emissionssyndikat auf den 
restlichen 180 Millionen Dollar sitzen blieb. Der Mißerfolg 
der englisch-französischen Anleihe veranlaßte den eng- 
lischen Minister Mac Kenna, sich Ende des Jahres 1915 
an die englischen Großkapitalisten, Trusts und Versiche- 
rungsgesellschaften mit der Bitte zu wenden, der eng- 
lischen Regierung amerikanische und kanadische Dollar- 
effekten zu leihen oder gegen 5%ige fünfjährige Schatz- 
bonds zu verkaufen. Der Schatzkanzler erklärte im Parla- 
ment, daß die von den Sachverständigen eingeforderten 
Schätzungen des im englischen Besitz befindlichen Betrages 
amerikanischer Effekten zwischen 2 und 4 Milliarden Dollar 
schwankten. Er fügte dieser Mitteilung hinzu, daß man 
nicht daran denke, diese Effekten zu verkaufen, da dies ein 
unfreundlicher Akt gegen die Vereinigten Staaten sei, Son- 
dern daß man gegen ihre Verpfändung nur Geld in New York 
leihen wolle. Gegen Hinterlegung von 50 Millionen Dollar 
erstklassiger amerikanischer Effekte bei. der Bank von 
England wurde dann dem englischen Staat ein Akzeptkredit 
von 50 Millionen Dollar eingeräumt, der auch seinen Zweck 
erfüllte, d. h. ein weiteres Sinken des Wechselkurses ver- 
hinderte, 
Der Frankreich 1915 eingeräumte Kredit war bald auf- 
gebraucht worden, Der französische Staat verkaufte daher 
Anfang 1916 an Kuhn, Loeb & Co. für 250 Millionen Franks 
4o%ige Obligationen der Southern Pacific-Eisenbahn-Gesell- 
schaft. Im Sommer 1916 wurde dann eine 5%ige fran- 
zösische Anleihe von 100 Millionen Dollar in‘ New York 
abgeschlossen (Emissionskurs für das Publikum: 98) und zwar 
re Deponierung von 113,35 Millionen Dollar in folgenden 
erten: 
1) Zur gleichen Zeit zeichneten die in der Union wohnenden Deutschen 
für 25—930 Millionen Dollar deutsche Kriegsanleihe.
	        
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