Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

32 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
War damit die Presse namentlich der entwickelteren Zeiten 
des Subjektivismus im allgemeinen in den Stand gesetzt, die 
Forderungen und Fragen der öffentlichen Meinung zum Aus— 
druck zu bringen, so wird man die Bedeutung dieser Tatsache 
erst dann recht würdigen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß 
die Presse im Grunde das einzige Mittel war, die Freiheit 
des Glaubens und Denkens gegenüber der gesamten Nation 
zu verwirklichen. Denn alle anderen Mittel, die Freiheit vor 
allem der parlamentarischen Rede, bestanden entweder noch 
nicht oder versagten. 
Dennoch gab es an vielen und eben mit an den wichtigsten 
Orten im Reiche eine Gelegenheit, auch das freie Wort, wenn 
auch nur in bestimmten Materien, dafür aber auch unter beson— 
derem Ernste zur Geltung zu bringen. Diese Gelegenheit boten die 
Universitäten. Was dies bedeutete, ergibt die Tatsache, daß 
Schlözer und ihm folgend auch andere Professoren sogenannte 
Zeitungskollegia, Vorlesungen über praktische und aktuelle Politik, 
abgehalten haben. Wichtiger aber war noch ein anderer Zu— 
sammenhang. In der Redefreiheit und der Denkfreiheit der 
Universitäten wurden die geistigen Menschenrechte des Sub— 
jektivismus nun vor allem innerhalb der Entwicklung der Er— 
ziehungsfragen, als auf dem zunächst bedeutsamsten Boden der 
Entwicklung öffentlicher Rechte und Pflichten, erst recht und zum 
ersten Male durchaus und stetig schöpferisch lebendig. Es ist 
der Zusammenhang, der die Universitäten schließlich völlig um— 
—D— 
bloß der geistigen, sondern auch der sittlichen und tieferen 
innerpolitischen Entwicklung stellte. 
Der Prozeß, der sich hier, langsam, aber schließlich mit 
außerordentlichen Folgen, vollzogen hat, geht von der philo— 
sophischen Fakultät aus. Diese Fakultät, bisher als Facultas 
artium mehr fast eine Vorbereitungsschule für die höheren 
Fakultäten der Theologie, der Jurisprudenz und auch der 
Medizin, die den Zutritt zu den praktisch wichtigen Studien 
gestatteten, begann im Laufe des 18. Jahrhunderts immer 
selbständiger zu werden; ihr Zusammenhang mit den anderen
	        
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