98 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
Unterrichts. Diese Schule blieb freilich noch lange vereinsamt,
bis J. J. Hecker, ein Schüler des Halleschen Waisenhauses, seit
1739 als Geistlicher an der Dreifaltigkeitskirche in Berlin tätig,
dort eine „Okonomisch-mathematische Realschule“ errichtete, die
dann zum Vorbild für eine Reihe verwandter Gründungen in
größeren deutschen Städten geworden ist.
Es war ein fruchtbares Reis der letzten individualistischen
Zeiten, in denen freilich auch, in Wettbewerb mit den Uni—
versitäten, eine Art enzyklopädischer Hochschulen, wie das
„Carolinum“ in Braunschweig oder die „Hohe Karlsschule“ in
Stuttgart, errichtet wurde; weit mehr als die Durchbildung
dieser hat ihre Entwicklung zäh, wenn auch nicht geradlinig bis
zur Gegenwart fortgewährt.
Als letzte Ausläufer der individualistischen Zeit aber
fanden sich noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
die Philanthropine ein; denn trotz alles persönlichen Sturmes
und Dranges ihres Begründers Basedow waren sie im Kerne
rationalistisch.
Gegenüber dieser Entwicklung wurde nun das besser
durchgebildete Gymnasium und an vielen Stellen auch die
bürgerliche Lateinschule größerer Städte Träger der neuen,
subjektivistischen Bewegung. Und ihre innere Umwandlung
war dabei, wenn auch in langsamer hervortretenden und
weniger deutlichen Zügen, ganz derjenigen der Universitäten
ähnlich: an Stelle der leblosen Wissensvermittlung des Lateins
trat eine lebendigere, historische, Herz und Gemüt mehr be—
schäftigende Erfassung des klassischen Altertums unter stärkerer
Betonung, wenn nicht gar erst Aufnahme des Griechischen;
und gegenüber dem humanistischen Kult schwand allmählich die
rationalistische Vermittlung einer bestimmten philosophischen
Weltanschauung, namentlich seitdem die Kantsche Philosophie
das Vertrauen auf ein allgemein anzuerkennendes Schulsystem
und damit dessen Gebrauch im Mittelschulunterricht zu beseitigen
begann.
Val. Band VII, l, S. 118; VIII, I, S. 286 ff.