Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 129 
Nation, im Übergang etwa zur Staatswirtschaft und in der 
Entwicklung einer zentralen, wirklich wirksamen Staatsgewalt. 
Und insofern waren es Vorgänge, die, indem sie das Land 
erst zur Heimat umschufen, es zugleich auch erst auf die Höhe 
der längst bestehenden Landeskultur des westlichen Europas 
brachten. Es war, im Vergleiche zur Entwicklung der west⸗ 
lichen Völker, die Ausfüllung einer wesentlichen Lücke noch 
unserer Entwicklung. 
Aber es waren doch anderseits auch wieder Vorgänge, die 
einen eigenartigen Vorsprung der deutschen Entwicklung vor 
der westlichen zur Folge hatten. Als sich das deutsche Land 
nun, im 12. und 13. Jahrhundert, als wirklich ausgebaut 
erwies, brach damit die Neigung zur Besiedlung ungebrochenen 
Bodens in der Nation nicht auf einmal ab. Im Gegenteil: 
sie dauerte noch Jahrhunderte fort: und sie erstreckte sich nun 
auf die nichtdeutschen Gebiete der östlichen Nachbarschaft, in 
die Gegenden hinein, wo die slawische Besiedlung noch kein 
Hindernis für deutsche Unterkunft bot: und eine Kolonisation 
des Ostens entwickelte sich, der mehr als zwei Fünftel des 
heutigen Deutschlands erst verdankt werden. 
Wie aber foll das außerordentliche Schlußergebnis dieser 
Entwicklung mit nur einigen Worten bezeichnet werden? Es 
muß an dieser Stelle genügen, festzustellen, daß die Besiedlung 
das ganze reiche Donaugebiet ergriff, bis fast alle heutigen 
Grenzen des Deutschtums in den Ostalpen, den Karpathen und 
Siebenbürgen erreicht waren; daß Schlesien und die jenseits 
Schlesiens liegenden polnischen deutschen Enklaven agrarischen 
Charakters durch sie gewonnen wurden; daß das ganze deutsche 
Baltikum ihr seine Entwicklung perdankt: und daß alles Land, 
welches zwischen diesen Gebieten und dem Mutterlande liegt, 
mit Ausnahme der tschechischen Teile Böhmens im Verlaufe dieser 
ungeheuren Bewegung verdeutscht ward!. 
Und erst um etwa 1400 kam der reiche Strom dieser 
großen Kolonisation zum Stillstand. 
1 Vgl. Genaueres in Band III, 1. 2, S. 330 ff.; III, 8, S. 348 ff. 
Zamvprecht. Deutsche Geschichte. IX.
	        
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