Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 133 
und 13. Jahrhundert engere Beziehungen bestanden: so früh 
kannte maun die verwandten Seiten der beiderseitigen natio⸗ 
nalen Begabung. Aber daran, deshalb mit Polen politisch 
gegen Deutschland vorzugehen oder gar einen ständigen poli⸗ 
tischen Ideenaustausch mit Rücksicht auf das zwischenliegende 
Deutsche Reich zu dessen Beeinflussung oder Beherrschung ein⸗ 
zuleiten, ist wohl im Mittelalter kaum oder nur vorübergehend 
gedacht worden. Jetzt dagegen, im 16. und 17. Jahrhundert 
schon, und von da ab in immer steigendem Maße, erlaubte der 
zunehmende Verkehr unter den Nationen und insbesondere auch 
umter deren Regierungen die Durchführung dieses Gedankens. 
Es war dasselbe Motiv der Entwicklung, das sich in der 
Gegenwart in noch weiträumigeren Beziehungen, z. B. für 
die Politik der Vereinigten Staaten von Nordamerika ein⸗ 
stellt. Bis ins 19. Jahrhundert hinein hatte die Union 
sozusagen keine Nachbarn. Dann stiegen die Nachbarinteressen 
und Rachbargefühle guter wie schlechter Art mit Dampf—⸗ 
schiffahrt, Telegraph und drahtlosem Fernverkehr: und heute 
ist die Union trotz Atlantischen und Stillen Weltmeers so von 
Nachbarn umgeben, daß sie ohne Rücksicht auf diese nicht mehr 
handeln kann. Ergaben sich aber für Deutschland Nachbarvor⸗ 
teile und Nachbarbedrängnisse dieser Art seit dem 16. Jahr⸗ 
hundert besonders rasch, so kam dafür ein zweites Ent⸗ 
wicklungsmotiv in Betracht: erst in dieser Zeit sind die ost— 
europäischen Völker in große Staatenbildungen eingetreten. 
So hatte denn Frankreich schon im 16. Jahrhundert gegen 
Deutschland, insbesondere gegen Karl V., die Türken aus⸗ 
gespielt. Es geschah unter der Mißbilligung großer Teile der 
ruropäischen Bevölkerung: wie konnte man die Muselmänner 
gegen deu Generalvogt der Kirche mobil machen? Jetzt, als 
Frankreich in gleicher Weise mit Schweden in Verbindung trat, 
verlautete aus idealistischen Motiven weit geringerer Tadel, 
obwohl sich hier eine katholische und sogar die nach der Lehre der 
Kirche spezifisch katholische Macht mit der Vorkampfgewalt des 
Protestantismus verband; ja eben diese Verbindung hat der aus⸗ 
wärtigen Politik Europas nicht zum geringsten ihren bis dahin
	        
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