Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 148
Südosten fest. Und diese Kombination wurde zu einer der
dauerndsten dadurch, daß, vermöge einer Erbverbrüderung des
luxemburgischen und habsburgischen Hauses, Böhmen an
Osterreich fiel und damit eine Vereinigung der ersten und
zweiten Moͤglichkeit, freilich zu gunsten der zweiten, eintrat.
Diese Entwicklung der Macht des Hauses Habsburg
brachte es nun mit sich, daß als größter politischer Körper des
Siedlungsgebietes zunächst eine nie völlig reine und deutsche
Staatenbildung entstand. Denn schon die Kolonisation des
Donaugebietes hatte mit den slawischen Ansiedlern nicht reinen
Tisch gemacht; dann aber war zu ihm das überwiegend
tschechisch gebliebene Böhmen gekommen, und später hat sich
noch Ungarn dazu gefunden. So war die österreichische Macht
wohl die größte; aber ihre Interessen fielen von vornherein
grundsätzlich nicht voll mit den deutschen zusammen: und das
mußte ihre Stellung in Deutschland auf die Dauer mindestens
schwächen!.
Der koloniale Norden anderseits bot von vornherein nicht
so einfache Kombinationen dar wie der Süden, schon weil die
Konfiguration seines Ländergebietes viel weniger auf bestimmte
Bedingungen politischer Entwicklung zugeschnitten erschien. Als
erste charakteristische Entwicklungsstufe ergab sich schließlich eine
merkwürdige Kombination deutscher Territorien mit ausländi—
schen, die in den verschiedensten Formen wiederkehrt, im einzelnen
wohl auch auf teilweise zufälligen Ursachen, Erbschaft und der—
gleichen beruht hat: der Hauptsache nach aber doch auf die
kräftige und übergreifende koloniale Initiative der wichtigsten
Territorialgewalten, zumal nach dem Falle der Hanse, zurück—
ging. Die am frühesten auffallende dieser Kombinationen war die
von Mecklenburg und Schweden, die freilich nur kurze Zeit währte.
Später sind die Kombinationen Brandenburg und Preußen,
Sachsen und Polen, Hannover (das teilweise noch Kolonialgebiet
umfaßte) und England eingetreten, und in Zeiten der Schwäche
des deutschen Gesamtreiches die Kombinationen Dänemark—
S. dazu noch eingehender weiter unkten.