144 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
Schleswig⸗) Holstein, Schweden-Pommern und Rußland-bal⸗
tische Provinzen.
Es sind Vorgänge, denen verwandte Beispiele aus dem
Süden und Westen nur aus sehr frühen, guten Zeiten des
Reiches, und auch sie teilweise nur äußerlich, zur Seite gestellt
werden könnten: so sind die Herzöge von Bayern die Etsch
und die Drau hinab vorgedrungen; so hat Ludolf von
Schwaben eine oberitalienische Herrschaft zu begründen ver—
sucht; und die Herzöge von Niederlothringen haben wallonische
Eroberungen angestrebt.
Unter den Kombinationen des kolonialen Nordens aber hob
sich seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts immer deut⸗
licher die brandenburg-preußische besonders hervor. Sie ge—
hörte zu denjenigen, deren Schwergewicht in einem deutschen
Territorium lag. Und unter diesen war sie die einzige, deren
reichsfremdes Glied, Preußen, ebenfalls ganz deutsch war. Ja
deutsch noch in einem besonderen Sinne; nach dem Ordens⸗
lande waren nicht bloß Bauern, sondern in hohem Maße auch
Adlige, daneben auch Bürger gewandert; und die Einwänderer
zehörten nicht nur einigen wenigen deutschen Stämmen an: alle
Stämme, auch die süd- und mitteldeutschen, waren hier ver—
reten.
Zu diesen Vorteilen kamen, wenn auch vornehmlich wirk⸗
sam erst in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege, noch
weitere. Im Verlaufe des deutschen Wirtschaftslebens begann
der Norden mehr hervorzutreten; schon machte sich der Vorteil
des Seegestades, insbesondere der Nachbarschaft zum Atlan—
tischen Weltmeer, bemerklich. Innerhalb des damit stärker
helebten Verkehrs auch des nächsten Binnenlandes begann die
zentrale Lage Brandenburgs innerhalb der norddeutschen und
besonders wieder innerhalb der nordostdeutschen Tiefebene eine
Bedeutung zu erlangen, die sie bisher nicht gehabt hatte!.
Endlich trug zur Hebung des Landesansehens und zur territorialen
»S. Band VII. 2, S. 601 ff.