Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

150 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
Indes sind die ersten Kriege der Republik nicht von ihr 
ausgegangen. Vielmehr wurden die Franzosen erst von den 
legitimen Gewalten Europas, insbesondere auch Deutschlands, 
herausgefordert, um dann später, als sie nun angegriffen 
hatten, und namentlich seitdem Napoleon die französische 
Kriegskraft zusammenfaßte, von ihnen, und zwar von allen, 
den kontinentalen wie insularen, bekämpft zu werden. In 
diesen Kämpfen ist dann, zwischen den Jahren 1792 und 1806, 
das alte Römische Reich zugrunde gegangen. 
Handelt es sich um eine kurze Darstellung der Haupt— 
phasen des Zerstörungsprozesses, so wird man diese am besten 
nach den drei großen Koalitionen der legitimen Mächte, den 
Bünden der Jahre 1792-1797, 1799-1801 und 1805 
gliedern. 
Die erste Koalition nahm ihren Ursprung von dem Momente, 
in dem sich die führenden deutschen Mächte, Osterreich und Preußen, 
unter Aufreizung durch die Emigranten, den legitimistischen 
Adel Frankreichs, für die Einmischung in die innere französische 
Entwicklung zur Aufrechterhaltung des französischen Königtums 
erklärten. Es geschah gelegentlich der Zusammenkunft Friedrich 
Wilhelms II. von Preußen und Kaiser Leopolds II. in der 
sächsischen Sommerresidenz zu Pillnitz im Juli 1791; der Er— 
klärung, die wenig geschickt abgefaßt war, ging ein Präliminar— 
hündnis der beiden deutschen Mächte vom 25. Juli zur Seite, 
indem sie die zwischen ihnen bestehenden Differenzen auf jedem 
Felde zu beseitigen oder wenigstens deren Austrag zu vertagen 
suchten: die nächste Kraft sollte der Unterstützung des franzö— 
sischen Königtums geweiht sein, wozu der Kaiser schon in einem 
qus Padua datierten Rundschreiben vom 5. Juli so ziemlich 
alle europäischen Mächte aufgefordert hatte: man müsse die 
französische Königsfamilie befreien, und man dürfe nur eine 
solche Verfassung Frankreichs dulden, welche die freiwillige An— 
erkennung des befreiten Königs gefunden habe. 
Es waren Erklärungen und Absichten, die den Gang der 
Dinge in Frankreich um so weniger aufhielten, als sie eben 
Absichten und Erklärungen blieben. Wie handelte dagegen
	        
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