Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

160 Dreiundzwanzigstes Buch Zweites Kapitel. 
meilen mit über drei Millionen Seelen. Es war ein Rechts— 
bruch sondergleichen, die Liquidation eines politischen Bank— 
hruches, bei dem tausend Gläubiger zufaßten — wo blieben 
da selbst die Worte Heimat, Angestammtheit, Landesvatertum, 
Vaterland! 
Das Ergebnis all der unwürdigen Jagd aber, dessen Meute 
schon der Rastatter Kongreß zu wüstem Läuten entfesselt hatte, 
war die Herstellung eines Ubergangszustandes zur völligen Ver— 
nichtung des Reiches, zu einer bündnerischen Ausgestaltung 
ieiner neu konstituierten Staaten. 
Die Momente des Reichsdeputationshauptschlusses, die in die 
Zukunft weisen, lassen sich etwa in Folgendem zusammenfassen. 
Vor allem bildeten sich die Anfänge der späteren süd- und mittel— 
deutschen Staaten; Süddeutschland und teilweise auch Mittel— 
deutschland machte damit im Grunde erst jetzt die Revolution durch, 
welche Norddeutschland schon im 16. und 17. Jahrhundert durch 
Einziehung der großen geistlichen Territorien schrittweise erlebt 
hatte. Nur daß damit die katholische Kirche nicht verschwand — 
vohl aber frei wurde von ihrer Verbindung mit speziell 
deutschen Sorgen, frei auch von der Einbettung ihres Dienstes 
in den Schoß der Geschlechter des höheren und niederen Adels: 
und dadurch geeignet dazu, ein Gefäß populärer Tendenzen 
zu werden, eine Grundlage des aus der Romantik aufsteigen⸗ 
den Klerikalismus. Im einzelnen verteilten dabei Hessen und 
Nassau unter sich die reichen Gebiete der geistlichen Kurfürsten 
von Mainz, Trier, Köln; erhielt Baden die rechtsrheinische 
Pfalz, die Bistümer Speyer, Straßburg, Konstanz, Basel, so— 
weit sie rechts des Rheins lagen; nahm Württemberg die 
Fülle der kleinen schwäbischen Reichsstädte, Abteien, Klöster in 
seinen Besitz; wurde vor allem auch Bayern vergrößert: denn 
es verlor zwar die Rheinpfalz, wurde aber dafür im Haupt⸗ 
land durch eine Menge kleiner Länder und die Bistümer 
Würzburg, Bamberg, Freising, Augsburg entschädigt. 
Neben diese hübsche Ausstattung der Trias, deren Staaten 
sich bald auch durch die Übernahme der mittlerweile in Frank— 
ceich durchgebildeten Staatsomnipotenz auszeichneten, traten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.