Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 163
doch wiederum das altlegitimistische Osterreich gewesen, die noch
einmal die Befreiung nun schon Eurovas von französischem
Übergewichte versuchten.
Und wieder wurde vor allem sterreich, nördlich und
südlich der Alpen, von französischen Heeren aufgesucht: wobei
in Süddeutschland Bayern, Württemberg, Baden, Hessen und
Nassau in erster Erprobung der französischen Mittelstaatenpolitik
Hilfstruppen zu den Armeen Napoleons stellten. Und wiederum
traf sterreich das Unglück. Während England den Seekrieg
glänzend führte und der italienische Kriegsschauplatz bedeutungslos
blieb, mußten die Osterreicher unter Mack am 17. Oktober 1805
in Ulm schimpflich kapitulieren, schlug Napoleon die vereinigten
Osterreicher und Russen in der strahlendsten vielleicht aller seiner
Schlachten, in der Dreikaiserschlacht von Austerlitz, am 2. De⸗
zember 1805.
Der Friede von Preßburg, der Österreich bald darauf, am
26. Dezember 1805, abgedrungen wurde, vernichtete das
Deutsche Reich und drängte sterreich von Italien und Deutsch—
land ab in den äußersten Südosten. Das Haus Habsburg
verlor alle seine italienischen Eroberungen aus dem Frieden
von Campo-Formio und Lunéville: Venedig, Istrien, Friaul,
Dalmatien; dafür entstand, mit diesem Besitze, ein napoleo⸗
nisches Königreich Italien. Es büßte weiter seine letzten Posi—
tionen in Südwestdeutschland ein, die Reste der einst blühenden
vorderösterreichischen Lande an Baden und Württemberg, und
die westlichsten Positionen seines Hauptgebietes: Tirol, Vor⸗
arlberg, die Bistümer Brixen und Trient, Burgau, Eichstätt,
Passau und Lindau an Bayern. Denn fast eine lächerliche
Entschädigung nur war es hierfür, wenn es Salzburg und
einige Dependenzen erhielt, während der Bruder des Kaisers,
der einstige Großherzog von Toskana, dann Kurfürst von
Salzburg, nun mit dem schmalen Bissen Würzburg abgefunden
wurde.
Und doch: was wollten, vom deutschen Standpunkte aus
betrachtet, diese Verluste, 1114 Geviertmeilen mit 2800000
Seelen, besagen gegenüber dem gemeinschädlichen Hochmut, mit