Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 165 
sonst unerhört despotische Rechte zu, 3. B. das Recht der 
Aufenthaltsbestimmung für seine Untertanen, insbesondere für 
die vonm Adel. Da war es denn begreiflich, wenn sich mancher 
Untertan“ sogar nach dem Herzog Karl zurücksehnte. Aber 
auch in Hessen⸗Darmstadt wurde die ständische Verfassung auf⸗ 
gehoben, und zu verwandten Attentaten schritt man nicht 
minder in Baden und Bayern. 
Und dies alles unter kriechender Demut vor Napoleon, 
dem Großen, dem Heiland Deutschlands, dem Wiederhersteller 
seiner Freiheit, dem Wiederhersteller insbesondere „des uralten 
bayrischen Königtums“! 
Wahrlich: war da noch von einem Deutschland zu sprechen? 
In dieser Zeit las man in der „Mainzer Zeitung“: „Es gibt 
kein Deutschland mehr. Was man für Anstrengungen einer gegen 
ihre Auflösung ringenden Nation zu halten versucht sein könnte, 
sind nur Klagen weniger Menschen am Grabe eines Volkes, 
das sie überlebt haben.“ 
Und war es denn etwas so Sonderbares, wenn ein Volk 
als solches abstarbe Auch Polen war gedritteilt worden und 
schien zugrunde gegangen! 
So kam es nur darauf an, die neu konstruierten Mittel⸗ 
staaten von Frankreichs Gnade in einer letzten Demütigung 
nochmals wieder zusammenzufassen, um ihre Interessen, ihr 
Gut und vor allem das Blut ihrer Bevölkerung verruchten 
Zielen einer noch weitergreifenden Imperatorenpolitik dienstbar 
zu machen. Und auch dies Letzte, Äußerste geschah. 
Im Juni 1806 „unterhandelte“ Talleyrand mit Vertretern 
von Bayern, Württemberg, Baden wegen Begründung des 
Rheinbundes: d. h. er las ihnen der Hauptsache nach eine 
Urkunde vor, wonach diese Staaten in majorem gloriam seines 
Kaisers zu einem Bunde zusammentreten sollten, und hieß sie 
unterschreiben. Dem Bunde hatten dann auch noch Dalberg, 
Kleve⸗Berg, Hessen-Darmstadt und andere kleine Fürsten bei⸗ 
zutreten; sie sind vorher garnicht befragt worden. Und 
wiederum erfolgte für die Teilnehmer eine fette Gebiets— 
bergrößerung; und da es nichts mehr zu säkularisieren gab,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.