Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 169 
wichtige politische Aufgaben auch die Donau hinab in die 
Balkanländer hinein, überhaupt nach Osten. Und schon im 
Beginne des 16. Jahrhunderts bildeten sich auf diesem Ge— 
biete feste Ansprüche aus, die namentlich Ungarn umfaßten. 
Das Staatsleben besonderer Art, das sich aus diesen 
südlichen und östlichen Bestrebungen der österreichischen Politik 
ergab, erhielt seinen festen Grund vornehmlich in den Zeiten 
Leopolds J. (1658-1705) und Karls VI. (1711-1740). 
Unter Leopold J. überwog die Politik des Ostens; ihr gehören 
die größten Ereignisse der besonderen österreichischen Geschichte 
an: so z. B. die Entsetzung des von den Türken belagerten 
Wiens oder der Friede von Karlowitz, der Ungarn und 
Siebenbürgen endgültig und erblich mit Osterreich vereinte. 
Unter Karl VI. wurde die italienische Politik des Mittelalters 
und Kaiser Maximilians J. wiederum aufgenommen. Indem 
aber dies alles geschah, traten die Weltmachtsbestrebungen der 
Casa d'Austria, wie sie, unter der Vorherrschaft der Habs— 
burger in Spanien, das 16. und 17. Jahrhundert beherrscht 
hatten, zurück; ja bald schon wurden Restbesitze aus dieser Zeit, 
wie Belgien, als lästig empfunden. Statt dessen erwachten 
allmählich die spezifisch österreichischen Interessen, um bis in 
unsere Zeit hin wesentlich dieselben zu bleiben: Ausdehnungs— 
drang in den Osten und Südosten, daneben bald stärkere, bald 
schwächere Aspirationen auf italienischen Boden. Und ihnen 
entsprach der nunmehr in seinen ersten Entwicklungszuständen 
beginnende Dualismus zwischen dem zisleithanischen Osterreich 
und dem transleithanischen Ungarn; bereits Maria Theresia 
hat ihn zum ersten Male begründet, und ihre Regierung ist 
damit, im politischen Sinne, zur ersten modernen Herrschaft in 
Osterreich geworden. 
Preußen aber hatte sich indessen bis in die Tage Maria 
Theresias hinein ganz anders entwickelt. 
Brandenburg, das Stammland hohenzollernscher Größe, 
war allerdings auch eine Mark; hatte gleicherweise eine be⸗ 
sonders freie Stellung zum Reiche, so daß sogar die branden— 
burgischen Bischöfe Landesbischöfe, nicht Reichsbischöfe waren,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.