Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

70 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
ind drängte ebenfalls einem Meere, der Ostsee, zu, wie es auch 
in den slavischen Osten hinein gelegentlich Ansprüche erhob. 
Allein all diese Haupttriebe auswärtiger Politik blieben im 
Mittelalter und noch darüber hinaus erfolglos. Nach Osten 
wies kein Donautal, und maritime Fortschritte hat selbst 
Karl IV., trotz der Kombination der kaiserlichen Gewalt mit 
der brandenburgisch-landesherrlichen und trotz einer Herrschaft 
über die Elbe auch in Böhmen, nicht zu begründen vermocht. 
Das Land war zu arm, die Verwaltung verfallen, die zentrale 
geographische Lage unter den begrenzten Verkehrsverhältnissen 
des Mittelalters noch nicht wirksam: noch im 16. Jahrhundert 
vwar die Mark ein wenig angesehenes Territorium, und un⸗— 
hedeutend waren auch seine Fürsten. 
Wie anders leuchtete da im Ausgange des Mittelalters 
und noch darüber hinaus der Glanz des wettinischen Hauses 
ind seiner Länder! 
Dennoch reichen die Wurzeln der Größe Brandenburgs 
zis ins 16. Jahrhundert zurück. War in dieser Zeit die Ver— 
hdindung OÖsterreichs mit Ungarn der Hauptsache nach schon 
eine Konsequenz der Bedeutung der östlichen Mark an der 
Donau und der Politik ihrer Herrscher: das Ergebnis also 
einer reichen Entwicklung: so war freilich die Verbindung 
Brandenburgs mit Preußen mehr ein Geschenk des Zufalls, 
and erst die Zukunft, die zähe Fortentwicklung der mit ihr 
gegebenen Kombination durch ein begabtes Herrscherhaus 
nußte sie als ein bedeutsames Ereignis beglaubigen. Doch 
ein günstiges Moment lag in dieser Kombination, wenn sie 
aufrecht erhalten wurde, alsbald gegenüber der Verbindung 
Osterreichs mit Ungarn: Preußen war deutsch wie Branden—⸗ 
burg!: das Deutschtum als einziges, alleiniges Volkstum 
wurde dem aufstrebenden Staate des Nordostens in die Wiege 
gelegt. 
Erst der Große Kurfürst hat die Kombination zwischen 
Brandenburg und Vreußen dauernd, klar und fest gestaltet. 
1S. schon oben S. 144.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.