174 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
nur um etwa 115 Quadratmeilen mit etwa 420000 Seelen;
dennoch ließ dieser erste Abschluß der bayrischen Streitigkeiten
schließlich vor allem Preußen in Süddeutschland ruhig Fuß
fassen: es schien ein Schritt vorwärts zu einem engeren,
preußischen Deutschland.
Und zugleich hatte sich der König von Preußen als
Schutzherr der süddeutschen Kleinstaaten gegen sterreich über—
haupt gezeigt. Es war eine Rolle, die in nächster Zukunft
bald noch stärker betont werden konnte. Denn Joseph II. ging
von neuem mit dem Gedanken eines Ländertausches um, der
Bayern in Österreich hätte aufgehen lassen, und er erbitterte
auch andere Reichsfürsten durch gewaltsame Zumutungen. Dem—⸗
gegenüber begnügte sich Friedrich der Große diesmal nicht mit
einfachem Einspruch, vielmehr brachte er, alten Wünschen ent—
sprechend, im Sommer 1785 einen förmlichen Fürstenbund
gegen sterreich zustande: zu ihm standen Sachsen, Hannover,
später auch Braunschweig, Mainz, Hessen-Kassel, Baden, die
thüringischen Länder und andere kleine Gebiete.
Gewiß war das kein unmittelbarer Anfang eines engeren
Deutschlands; Friedrich der Große selbst ist von einer solchen
Ansicht weit entfernt gewesen. Dennoch bleibt es charakte—
ristisch, daß nach Friedrichs Tode einer der eifrigsten Anhänger
des Bundes, Karl August von Weimar, aus ihm einen ständigen
preußisch-deutschen Bund überhaupt zu entwickeln versucht hat:
er dachte an ein stehendes Heer des Bundes, an einen Bundes⸗
tag zur Reform der Reichsverfassung, sogar an Mainz als
eine Art von Bundesfestung. Und eins stand beim Tode
Friedrichs jedenfalls fest: Preußen hatte in den Sympathien
der deutschen Kleinstaaten im Reiche sterreich den Rang
abgelaufen; und seine Politik der letzten Jahrzehnte war auch
vom nationalen Standpunkte aus, wenn auch nicht auf ihn an—
gelegt, so doch gut deutsch verlaufen.
Diese Richtung wurde nun aber nach Friedrichs Tode bald
verlassen; Schwanken und Zweideutigkeit der politischen Fuhrung
überhaupt stellte sich ein, und das Schlußergebnis war der
völlige Verlust der friderizianischen Stellung in Deutschland