Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 179 
eine höchst aufsässige polnische Bevölkerung eingebracht; noch 
mehr war dies gelegentlich der dritten Teilung der Fall, und 
so schien es jetzt in der Tat nicht ausgeschlossen, daß Preußen 
eine halb slawische Macht werde; denn eine volle Germani— 
sation des eingenommenen großen Gebietes des sogenannten 
Neuostpreußens“ lag außer dem Bereiche der Möglichkeit. 
Was aber neben all diesen polnischen Händeln vom 
nationalen Standpunkte aus vielleicht noch schlimmer war: in 
dem gleichen Jahre, da sie einigermaßen zum Abschlusse kamen, 
und in mancher Hinsicht infolge der Tatsache, daß sie die 
Kraft des Staates und die Aufmerksamkeit der Regierung nach 
Osten ablenkten, hatte Preußen die Kampfesgemeinschaft der 
legitimistischen Mächte gegen die französische Revolution in 
dem Frieden von Basel verlassen. Und es war geschehen in 
vollstem Verzichte zugleich auf alle deutschen Aufgaben, welche 
die preußische Diplomatie hätte suchen und lösen müssen, wenn 
sie Preußen noch eine Rolle als deutsche Großmacht oder gar 
als deutsche Vormacht zuschreiben wollte. Denn eine geheime 
Bestimmung des Friedens gab, wie wir wissen!, das linke 
Rheinufer im Grunde an Frankreich preis, und die öffentlichen 
Paragraphen beschränkten den preußischen Einfluß in Deutsch— 
land von nun ab von vornherein auf die Länder jenseits der 
Demarkationslinie, im wesentlichen also auf Norddeutschland. 
Nun wurde freilich mit eben diesen Bestimmungen die Hoffnung 
verknüpft, in dem abgegrenzten engeren Bereiche den Einfluß 
Preußens um so kräftiger zu entwickeln, als in einer großen Oase 
gleichsam europäischen Friedens. Aber hat sich diese Erwartung 
erfüllt? Ja konnte sie mit Fug als erfüllbar vorausgesetzt 
werden? Nichts hat sich aus der Ostwestteilung Deutschlands, 
die der Baseler Friede unternahm, entwickelt als die kleinliche, 
jedes wirklich nationalen Horizontes entbehrende Anschauung 
von einer Aufteilung des deutschen Westens unter preußischem 
und österreichischem Einfluß: eine gänzlich ungeschichtliche Idee 
1S. oben S. 154.
	        
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