180 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
von einem durch Grenzlinien zu ordnenden deutschen Dualismus
der beiden Ostmächte entstand, von der sich später, zum schweren
Schaden der nationalen Einheitsbewegung, der preußische
Staatskanzler Hardenberg bis zum Jahre 1814 nicht hat frei
machen können.
Das Jahr 1795 bezeichnet damit einen ersten großen
Tiefstand preußischer Politik: Baseler Friede und dritte Teilung
Polens sind seine verhängnisvollen Exponenten. Aber auch nach
diesem Jahre ist Preußen noch länger als ein Jahrzehnt hin—
durch weit davon entfernt geblieben, eine seiner würdige deutsche
Politik zu treiben.
Zunächst hatte es natürlich die Konsequenzen seiner bis⸗
herigen Politik zu tragen; auch der 1797 eintretende Thron⸗
wechsel konnte daran nichts ändern: von der Revolution ab⸗
hängig, verharrte es ganz in dem Fahrwasser, ja in den Ge—
leisen der französischen Politik. Ja noch mehr: das mit der
Revolution einmal eingegangene Verhältnis färbte auch auf
die Methode der äußeren und selbst auf den Inhalt der
inneren Politik ab; in Franken hat Preußen damals nach
französischer Art in rechtlosen Reunionen um sich gegriffen,
und für eine anderweitige Ordnung der deutschen Territorial⸗
verhältnisse fand der Grundsatz einer allgemeinen Säkulari—
sation bei ihm keinerlei legitimistische Sktrupel. Indem man
sich aber so französischen Anschauungen hingab, mußte man
die Erfahrung machen, von Frankreich nur so lange geachtet
zu werden, als nicht französische Interessen ein Ausspielen der
beiden deutschen Großmächte gegeneinander nahelegten. Es
war ein Moment, das im Grunde schon mit dem Abschlusse
des ersten Koalitionskrieges, mit der Besiegung sterreichs
und dem Frieden von Campo-Formio von Bedeutung wurde:
freilich aber sich völlig klar zunächst nur in den geheimen Artikeln
dieses Friedens aussprach, in denen Österreich und Preußen
gegeneinander gehetzt wurden 5.
S. oben S. 155 ff.