182 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
Preußen die Nachricht zukommen, er werde bei Wiedereröffnung
der Feindseligkeiten gegen England Hannover besetzen. Und
der Ankündigung folgte die Tat. Ende Mai 1803 schon zogen
die Franzosen in das vertragsmäßig neutrale Hannover ein
und nahmen es in ihrer Weise in Verwaltung; in den
26 Monaten der Okkupation sollen sie dem Lande 26 Millionen
Taler gekostet haben. Das Berliner Kabinett und Friedrich
Wilhelm III. fanden demgegenüber nicht den Mut zu einer
lauten Verwahrung, geschweige denn zum Widerstand. Sie
verhandelten mit Rußland, sie suchten das Heil in einem
neuen deutschen Fürstenbunde, ja einem deutschen Staaten—
bunde unter österreichischer und preußischer Führung zugleich:
der nun Preußen helfen sollte, während in dem Fürstenbunde
des 18. Jahrhunderts Preußen den Fürsten zu Hilfe gekommen
war. Es war die volle Bankrotterklärung der Politik Friedrichs
des Großen; und es war dennoch vergebens. Denn die
Franzosen blieben in Hannover — und Preußen blieb neutral,
jq versicherte auf Grund dieses bisher festgehaltenen Stand⸗
punktes Napoleon im Mai 1804, es werde weder russischen
noch anderen Truppen die Verletzung des neutralen Gebietes
zum Zwecke eines Kampfes gegen Frankreich erlauben.
Inzwischen kam es zu der letzten, dritten Koalition und
zu neuem Kriege gegen Frankreich, Herbst 1805. Wir wissen:
Träger des Widerstandes war auch diesmal wieder Ästerreich;
und sein Stern sank bei Austerlitzt. Auf dem Marsche gegen
Hsterreich aber hatten, schon zu Beginn des Krieges, franzö⸗
sische Truppen von neuem neutrales Gebiet der Demarkation,
und diesmal noch dazu preußisches, das Ansbacher Territorium
in Franken, verletzt. War es da nicht klar, daß sich Napoleon
um die Bestimmungen des Baseler Friedens nicht mehr
kümmerte, daß ihm Preußen überhaupt nicht mehr eine be—
achtenswerte Macht schien? Auch Friedrich Wilhelm III.
empfand das Demütigende des Vorganges und der Lage; sein
Stolz empörte sich; er gestattete nun auch den Russen den
1S. oben S. 162 ff.