Erstes Kapitel.
Neue Anschauungen von Staat und Gesellschaft.
Einige Abschnitte der Darstellung des achten Bandes
tragen die Überschriften: Neue Anschauung, neues Urteil;
Neues Fühlen und neues Wollen, neue Frömmigkeit und neue
Sittlichkeit; Neue Weltanschauung und neue Dichtung; Neue
bildende Kunst und neue Musik. Denn das eben war die
Grunderscheinung des aufkommenden Subjektivismus, daß sich
in ihm alles im einzelnen und im tiefsten neu gestaltete. —
Aber über diesem Sprossen und Keimen bildete sich all—
mählich, langsam, zum Teil eben aus dem einzelnen erft mit
hervorgehend, auch ein gesamtes Neues: ein neuer Staat, eine
neue Gesellschaft als geistig-sinnliches Dasein, ein letzter und
vollendetster Körper des neuen seelischen Lebens.
Dabei war diese letzte Bildung von allen die schwerste.
Schon aus einem Grunde, der in die klare Tiefe der Ge—
setze geschichtlichen Werdens hinabführt. In Kulturen, die
schon stärker arbeitsteilig entfaltet sind, ist die Fortentwicklung
in ihren am weitesten vorgeschobenen Etappen immer Auf—⸗
gabe nur geringer Teile des völkischen Ganzen. Einzelne hoch⸗
stehende gesellschaftliche Schichten, noch häufiger zunächst nur be⸗
stimmte Individuen aus diesen, die daun neue soziale Gemein⸗
schaften zu bilden beginnen, sind die frühesten Träger der
seelischen Evolution der Gesamtheit. Unter ihnen aber stehen,
nach dem bekannten Bilde der pyramidalen Abstufung, frisch
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