200 Dreiundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
lich — scheitere, mit Frankreich gegen England zu verbünden!
Da wurde ferner, im weiteren, peripherischen Bereiche der
deutschen Zustände, aus Teilen des polnischen Preußens ein
Herzogtum Warschau geschaffen; Herzog wurde der König
von Sachsen. Und Sachsen und das neue Herzogtum wurden
durch einen Landisthmus verbunden, innerhalb dessen die so—
genannte Via regia verlief: auf Kosten Preußens, das dazu
den Kreis Kottbus in der Niederlausitz an Sachsen abtrat.
Im Innern Deutschlands aber wurden die Verhältnisse im
nordwestlichen Deutschland, wie sie sich in der letzten Zeit, in
Ergänzung gleichsam zu den Mediatisationen und Säkulari—
sationen des Reichsdeputationshauptschlusses gestaltet hatten,
durch Anerkennung von seiten Preußens und Rußlands zu
definitiven gemacht. Louis Bonaparte wurde König von
Holland. Jérome Bonaparte wurde König von Westfalen:
eines Westfalens, das im August 1807 aus dem preußischen
Münsterland, den Ländern des vertriebenen Kurfürsten von
Hessen und anderen Landesteilen mit der Hauptstadt Kassel
gebildet wurde: schon bedurfte es zur Begründung von
Königreichen auf deutschem Boden keines Respektes mehr vor
geographischen oder ethnographischen Tatsachen. Ein Wunder
noch, daß unter Anwendung dieser Gründungsmethode die andern
kleinen Fürstentümer in Norddeutschland und auch im Nord—
westen überhaupt weiter bestehen blieben. Oder vielmehr kein
Wunder. Man hatte einfach nicht Zeit genug gehabt, sich um sie
zu kümmern! Er wäre betrogen worden, hat Napoleon später
geklagt: hätte er bei Zeiten gewußt, wo die Reuß, Lippe,
Waldeck lägen, er hätte sie alle eingeheimst.
Und nun, nach all dem Beiwerke, das Schicksal Preußens!
Es hatte nicht bloß die polnischen Landteile, von denen auch
Rußland ein Stück abbekam — dem Besiegten die Beute! —,
und auch nicht bloß den Kreis Kottbus an den früheren
sächsischen Verbündeten abzutreten. Nein: ihm wurden alle
Länder westlich der Elbe amputiert. So behielt es von
5700 Geviertmeilen deren 2850 und von 98/4 Millionen Ein—