Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Ciquidation der alten Formen des wirtschaftl. u. sozialen Lebens. 205 
eigneten Trägern der Demokratie des 19. Jahrhunderts um⸗ 
geschaffen. 
Gleichwohl: diese Einwirkungen waren nicht von der Art 
und der Stärke, daß sie den Übergang zum politischen Sub— 
jektivismus entschieden hätten. Oder wer wollte verkennen, 
daß die am höchsten entwickelte absolutistische Monarchie auf 
deutschem Boden, der Staat Friedrichs des Großen, gegenüber 
dem vorwärtsdrängenden Zeitbewußtsein mehr gebunden als 
gelöst hat! Denn dieser Staat paßte sich noch den Wirtschafts⸗ 
verhältnissen einer bestimmten geographischen Lage, nicht denen 
aller Staatsbürger an und vernachlässigte infolgedessen den 
Westen im höchsten Grade zugunsten des Zentrums; er band 
ferner in nicht zu verantwortender Weise die sozialen Kräfte im 
Ständewesen, im Heer, in der Verwaltung; und er führte in 
der personalen Überhöhung des Absolutismus zunächst dazu, 
daß der Staat immer mehr nur auf die Persönlichkeit des 
Königs zugeschnitten schien, bis an Stelle dieser überfeinen 
Organisation die Desorganisation der Kabinettsregierung 
eintrat. 
Nein: nicht der Absolutismus hat in allmählichem Über⸗ 
gange die neue wirtschaftliche, soziale, politische Zeit herauf⸗ 
geführt, so sehr er sie in mancher Hinsicht vorbereitete: so 
wenig wie die Vorreformation die wirkliche Reformation gewesen 
ist. Und so gewiß es ist, daß Freiheit und Gleichheit Pro⸗ 
dukte sehr langer kontinuierlicher Entwicklungen sind, so sind 
fie doch schließlich, gleich der neuen protestantischen Frömmig⸗ 
keit des 16. Jahrhunderts, in Katastrophen entbunden worden: 
der Reformation des 16. Jahrhunderts stehen in diesem Zu—⸗ 
sammenhange die inneren Reformen der Befreiungszeit und 
des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenüber. 
Freilich nicht nur aus der deutschen Entwicklung ist der 
Eintrut und vor allem der spezifische Verlauf dieser Reformen 
zu begreifen. Gewiß ist auch diese Bewegung ihrem innersten 
Kerne nach so gut als ausschließlich deutsch; und wir wissen 
schon, wie viele weit entwickelte Umbildungen des Wirtschafts⸗, 
Gesellschafts- und Staatslebens auch schon vor den Ein—
	        
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