252 Dreiundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
Getreide stiegen. Und eben in diesem Zusammenhange ist
jener Junkersinn des nordostdeutschen Adels groß geworden, der
in wesentlichen Zügen andauert bis auf den heutigen Tag.
Eine neue Periode der Erweiterung dieser Entwicklung
aber ergab sich mit dem 17. Jahrhundert. In dieser Zeit
wurden, während des Dreißigjährigen Krieges, eben die
Kolonialgebiete furchtbar verwüstet; hier brachen die Schweden
ein; hier erleichterten große Ebenen die Kriegführung jener
Zeiten besonders, und beim Mangel zahlreicher großer Städte
fehlten die besten Zufluchtsstätten des Landes. So wurden denn
während des Krieges und auch noch nach dessen Schluß große
Massen von Bauernhöfen zerstört: die Bauern „vergingen“,
zogen weg; die Stellen lagen wüste; der Wald brach herein:
viele Dörfer sind niemals wieder aufgebaut worden. Allerdings
haben nun die Gutsherren nach dem Kriege die Bauern wieder
zu retablieren gesucht. Aber in beschränktem Maße. Nur
so viel Bauern setzten sie an, als sie zur Bebauung ihres
möglichst vergrößerten Gutes unbedingt zu bedürfen glaubten;
die übrigen Höfe dagegen ließen sie wüst und legten ihr Land
dem Gutsareale zu. Die anzusetzenden Bauern aber erhielten
ein viel schlechteres Recht, als es die alten Bauern gehabt
hatten. Sie erhielten überhaupt kein dingliches Recht mehr
an Hof und Land, sondern nur sogenannten Laßbesitz: und
zwar erblichen da, wo sonst volles Erbzinsrecht geherrscht
hatte und herrschte, nur lebenslänglichen dagegen oder be—
liebig widerruflichen da, wo früher bereits ein schlechteres
Recht als Erbzinsrecht in Geltung gewesen war.
Im ganzen erwuchs damit erst seit dem Dreißigjährigen
Kriege recht die große Verschiedenheit der gebundenen Nutzungs-
rechte an Grund und Boden im Kolonialgebiete gegenüber
dem Rechte des Mutterlandes. Denn auch das Recht derjenigen
Bauern, die noch zu altem Erbzinsrechte und verwandten günstigen
Rechtsformen saßen, begann jetzt verschlechtert zu werden, da
es als unberechtigte Ausnahme empfunden wurde.
Gleichzeitig aber fingen die Junker an, immer mehr zu
eigentlichen agrarischen Unternehmern zu werden; sie produ—