Neue Anschauungen von Staat und Gesellschaft. 11
18. Jahrhundert, zu der Zeit, da die Presse in England be⸗
reits eine Macht war, ein klares Preßzensurrecht nicht bestand,
so sehr man auch die erscheinenden Bücher einer Kontrolle
unterwarf. Vielmehr schwankte man in der Behandlung der
Publizität noch hin und her, verfügte bald, „aller gefährlichen
und Particuliers nicht geziemenden Correspondenz in publicis
sich zu enthalten“, und kümmerte sich bald um keinerlei noch so
freie Außerungen. Ein gutes Bild dieser Systemlosigkeit ge—
währt u. a. das Verhalten Friedrichs des Großen: so sehr er
fand, daß Gazetten nicht genieret sein sollten, so stark hat er,
wo er es gerade für angebracht hielt, in deren Freiheit ein—
gegriffen.
Der Grund für dies Schwanken lag in dem nach dem
bisher Erzählten sehr begreiflichen Umstand, daß die politische
Presse anfangs überhaupt noch wenig entwickelt war; es gab
zwar Nachrichtenblätter, aber die politische Diskussion fehlte
zunächst noch vielfach, so sehr die literarische Kritik emporschoß.
So hört man z. B. sogar noch für das Jahr 1788 von Leipzig,
einer der damals geistig und sozialpolitisch angeregtesten
deutschen Städte, daß sich um den sächsischen Hof und die
Regierung nur die eigentlichen Politiker bekummerten: „Man
spricht im Jahre kaum einmal von ihm, aber vom Magistrat
alle Tage; das Kontributionsglöckchen, wenn es geläutet wird,
erhält ihn in geneigtem Andenken.“ Und so waren denn auch
die Organe der öffentlichen politischen Erörterung zunächst noch
altväterisch genug, Flugschriften über äußere Politik, die sich
allerdings seit den schlesischen Kriegen beträchtlich vermehrten;
dann, seit den sechziger Jahren, Schriften auch über andere
politische Materien, so vor allem die Bücher des jüngeren
Moser („Herr und Diener“, 1758; „Vom deutschen National—
geist“, 1766, u. a. m..
Wenn nun so im ganzen die politische Diskussion über—
haupt noch wenig flüssig war, so durfte es nicht wunder⸗
nehmen, daß den nur gelegentlich erfolgenden Urteilen seitens
der regierenden Gewalten auch geringe Aufmerksamkeit geschenkt
wurde. In diesem Zusammenhange betrachtet war denn die