300 Dreiundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
dings wenigstens Sachsen, Kurbraunschweig, Mecklenburg,
schwedisch Pommern und, will man sie hierher rechnen, auch
Hessen und Köln regelmäßige ständische Versammlungen, wenn
auch von sehr verschiedener Wichtigkeit; daß sie aber ein
treibendes Leben umschlossen hätten, ließ sich im allgemeinen
nicht mehr oder höchstens noch für Mecklenburg behaupten. Im
zanzen konnten damit für eine Fortentwicklung eigentlich nur
Mecklenburg im Norden und im Süden Württemberg in Betracht
kommen. Aber selbst an diesen beiden Stellen hat sich bald
die Unmöglichkeit einer subijektivistischen Umbildung heraus—
gestellt.
So wäre es natürlich am einfachsten gewesen, hätte sich
der subjektivistische Staat in deutschen Landen ganz neu, so—
zusagen aus frischer Wurzel gebildet. Allein war das aus
den massivsten, den wirtschaftlichen und sozialen Wirklichkeits⸗
voraussetzungen her alsbald möglich? Wir wissen, wie un—
vollkommen vor allem die subjektivistisch-soziale Durchbildung
der Nation noch war: nun rächte es sich, daß das moderne
Wirtschaftsleben im 18. Jahrhundert auf deutschem Boden
wenn auch grundsätzlich, so doch praktisch nur in schwachen
Trieben und von vereinzelten Gesichtspunkten her entwickelt
worden war. Der subjektivistische Staat ist aber, vielleicht noch
mehr als manche Staatsform früherer Zeit, nichts als poli—
tischer Ausdruck neuerer sozialer Wandlungen in ihrer Kombi—
nation mit den hergebrachten politischen Gewalten. Wie hätte
er sich da alsbald und störungslos, als Schulbeispiel gleichsam
des politischen Subjektivismus, entfalten sollen? Erst seit den
Tagen des neuen Reiches stehen wir in jener, heute noch keines⸗
wegs abgeschlossenen, ja auch nur überschaubaren Entwicklung.
Es wäre also nur möglich gewesen, den neuen Staat auf
Grund einer Theorie, aus bestimmten frühsubiektivistischen
Staatsanschauungen her zu bilden.
Allein wir wissen schon aus der Erzählung des ersten
Kapitels!, daß auch solche Anschauungen in Deutschland noch
1S. oben S. 110ff.