Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

312 Dreiundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
allmählich umsponnen hatte. Wiederholt sind daher in dieser 
Richtung Versuche gemacht worden, deren Gelingen den König 
zugleich in die Kreise des freieren Denkens der Männer ge⸗ 
zogen haben würde, die die Reformbedürftigkeit des Staates 
voll erkannten. Und schon waren diese Männer, zumeist Nicht⸗ 
preußen, in dichter Reihe vorhanden: an der Kriegsakademie 
wirkte bereits Scharnhorst, Sohn eines hannöverschen Bauern, 
später der eigentliche Organisator des Heeres; in der Land— 
wirtschaft sorgte Thaer für die Hebung der Technik; in der 
Verwaltung arbeiteten Krug, Niebuhr, Hoffmann — daneben 
und allen voraus Stein und Hardenberg. Allein umsonst. 
Die eingerostete Institution der Kabinettsräte wurde beibehalten: 
Stein, 1804 Finanzminister, nach vergeblichem Kampfe gegen 
sie, entlassen. 
Da kamen die furchtbaren Zeiten des Zusammenbruches; 
kein Zweifel konnte mehr bleiben, daß ein völliger Neubau des 
Staates notwendig sei. Am 30. September 1807 wurde der 
Freiherr vom Stein von neuem Minister und übernahm nun⸗ 
mehr die eigentliche Leitung des Staates. Er behielt sie bis 
zum November 1808: bis er infolge von Kabinettsintrigen, 
namentlich aber mit Rücksicht auf Napoleon, doch unter voller 
Anerkennung seiner Verdienste entlassen wurde. Denn Napo⸗ 
leon erkannte die Bedeutung dieses Einzigen, und mit dem quäle— 
rischen Hasse niederer Naturen hat er ihn verfolgt; am 16. De— 
zember 1808 wurde der Reichsfreiherr als „le nommé Stein“ 
geächtet. Stein hatte, als er Minister wurde, das Edikt über 
das Grundeigentum, wie wir wissen!, und die Städteordnung 
nahezu fertig vorgefunden; sie waren, insbesondere auch die 
Städteordnung, zumeist in dem ostpreußischen Departement 
unter dem Minister von Schrötter und unter lebhafter Tätig⸗ 
keit der Räte Friese und Wilckens vorbereitet worden. Während 
seiner Amtszeit sind ihm dann von Vincke und von Schön, 
Stägemann, Sack, Niebuhr und Klewiz Haupthelfer gewesen. 
Dem Ministerium Stein folgte, noch in der ersten Veriode der 
S oben S. 272.
	        
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