Ciquidation der alten Formen des wirtschaftl. u. sozialen Lebens. 313
Reformen, ein Ministerium Altenstein, bis zum 7. Juni 1810;
in ihm haben neben Altenstein, der später ein trefflicher Kultus—
minister gewesen ist, aber in einer harten Zeit nicht die volle
Willenskraft eines großen Führers entfaltete, Graf Dohna,
Goltz, Beyme lässiger und mit mancher Abschwächung ur—
sprünglichet Reformgedanken gearbeitet; voll vorwärts drängten
in diesen Jahren nur Scharnhorst und Wilhelm von Hum—
boldt.
Das erste, was nach der Katastrophe der Jahre 1806
und 1807 einer Regelung bedurfte, waren die ungeheuren
finanziellen Verpflichtungen gegen Frankreich namentlich aus
dem Frieden von Tilsit; da dessen Bestimmungen dehnbar
lauteten!, so waren sie im Grunde nicht limitiert; jedenfalls
forderte der französische Generalintendant Daru immer neue
Kontributionen; die Gesamtsumme der Preußen abgedrängten
Zahlungen während der Freiheitskriege hat man später auf
etwa eine Milliarde Francs berechnet.
Stein suchte den ewigen Drangsalen zunächst durch Er—
sparnisse, Erhöhung der alten Auflagen und Einführung harter
progressiver Einkommensteuern, die bis zu 20 vom Hundert stiegen,
gerecht zu werden. Dazu kamen freiwillige und Zwangsanleihen.
Ja schließlich blieb nichts übrig, als die Domänen anzugreifen;
das entgegenstehende Hausgesetz der Hohenzollern mußte ge⸗
indert werden; seit Dezember 1808 begann man mit dem
Verkauf, wurden Wechsel und Pfandbriefe auf Staatsgut ge⸗
nommen. Die Domänen sind dann, obwohl noch ein ge—
waltiger Besitz in der Hand des Staates übrig blieb, soweit
sie in den Verkehr kamen, zumeist zerschlagen worden: was
starke Wirkungen auf den sozialen Blutumlauf zur Folge hatte.
Vor allem aber zog die Kürzung der Domäneneinkünfte eine
zänzlich veränderte Organisation der staatlichen Finanzwirt⸗
schaft nach sich. War diese bisher noch zu nicht geringem
Teile mittelalterlich geblieben, so daß spezielle Zurücksetzungen
gewisser Einnahmen für gewisse Ausgaben in der Art, daß
S., oben S. 199 ff.