Liquidation der alten Formen des wirtschaftl. u. sozialen Lebens. 315
Mit alledem galt es dann, innerhalb der gesamten Ver—
waltungshierarchie zugleich strengere Ordnung und strafferes
Ineinandergreifen zu erstreben. Alle Verwaltungszweige trafen
sich jetzt im Ministerrat: hier liefen also auch alle Geschäfte
zusammen: und schon tauchte dabei der Gedanke einer noch⸗
maligen, letzten Zentralisierung, die Idee eines für den Gesamt⸗
gang der Geschäfte haftenden Ministerpräsidenten auf, wie sie
nachmals in dem Staatskanzlertum Hardenbergs verwirklicht
wurde.
Was aber den neuen Charakter der Verwaltung erst gänz⸗
lich zum Ausdruck bringen sollte, was ihn ins spezifisch Sub⸗
jektivistische hob, war eine weitere Absicht. Um den Staats-
bürgern Gelegenheit zu geben, dem Ganzen des Staates mit
ihren Erfahrungen zu dienen, um alle berechtigten Interessen
zur Geltung, jeden politischen Sinn zum Keimen zu bringen,
ging Stein mit dem Gedanken um, allen Verwaltungen in
Form von Deputationen kompetente Laien zur Seite zu
slellen: also wissenschaftlich, technisch, wirtschaftlich beratende
Ldaienkörperschaften als integrierenden Bestandteil schon der
staatlichen Exekutive zu bilden. Und dieser Gedanke wurde
konsequent selbst bis zum Ministerkollegium hinauf verfolgt:
neben den Ministerrat sollte unter Vorsitz des Königs ein
Staatsrat treten.
Dieser Aufbau vor allem ist es, der die Verwaltungs⸗
reform mit dem Oktoberedikt des Jahres 1807 und der Städte—
ordnung des Jahres 1808 organisch verbindet: ein Geist ist es,
der sie alle durchweht.
Allein von den Verwaltungsreformen wurden fast nur die
rein bureaukratischen durchgeführt, sehr zum Schaden der
inneren preußischen Entwicklung der nächsten beiden Genera—
tionen trotz aller persönlichen Tüchtigkeit der Bureaukratie:
die Laiendeputationen dagegen traten nicht oder nicht dauernd
ins Leben, und selbst der Staatsrat erhielt nicht die von
Stein beabsichtigte Wirksamkeit. Erst die zweite Periode des
Subjektivismus, das Preußen des neuen Deutschen Reiches
hat hier entschiedener, wenn auch noch ebenfalls nicht völlig