Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

332 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
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Es bedarf nur der Lektüre dieser populär gemeinten Vorträge, 
um sich des außerordentlichen Unterschiedes zwischen dem 
Publikum selbst noch des Jahres 1806 und einem wesentlich 
volitisch denkenden Volke unmittelbar gewiß zu werden. 
Gleichwohl führte auch aus dem Dickicht dieser neuen 
Philosophie schon manch, wenn auch verschlungener und enger 
Pfad in die freien Gefilde der Politik. Schon die außer— 
ordentliche Bedeutung, die in der Lehre Kants der praktischen 
Philosophie zufiel, mußte hier wirksam werden; und insbesondere 
der Einfluß der Sittlichkeitslehre, des kategorischen Imperativs, 
wurde schon seit der Wende des 18. Jahrhunderts wenigstens 
in Norddeutschland sichtbar. Wichtiger aber war noch, daß 
schon Kant von seinem Denken aus den Weg zu einer neuen 
Staatslehre des Subjektivismus eröffnet hatte, und daß sich 
die Philosophen seines Einflußkreises und seine Schüler der 
pädagogischen Probleme ernstlich annahmen. In beiden Fällen 
trat man der Praxis nahe; und geschah das auf politischem 
Gebiete mit einem Staatsideal, das der öffentlichen Gewalt 
nicht so sehr positive Ziele zuwies, als die negative Aufgabe 
des Schutzes einer möglichsten Selbständigkeit der Individuen, 
so mußte die Pädagogik um so mehr bedacht sein, diese Indi— 
oiduen innerlich zu einer Freiheit und Selbständigkeit zu festigen, 
die einen glücklichen Verlauf des politischen Lebens innerlich 
gewährleistete. 
Im ganzen, darf man sagen, waren mit der Entwicklung 
des historischen Dramas und seiner politischen Affekte und mil 
den Anfängen einer neuen Staatslehre und der Durchbildung 
einer neuen Erziehungslehre die Aufgaben gelöst, von denen 
aus die klassizistische Kultur der politischen Bildung der Nation 
zu Hilfe kommen konnte. Sollte die politische Entwicklung in 
wirklich gefesteter Tiefe weiter vorwärts gehen, so bedurfte es 
jetzt der Anregung aus dem wirtschaftlichen, sozialen, poli— 
tischen Leben selbst: denn nur dieses konnte wahrhaft positive 
Aufgaben stellen und damit ständiges und eingehendstes 
Interesse wecken. Woher sollte aber diese Anregung auf dem 
Gebiete des Wirtschaftslebeus und der Entfaltung der Gesell—⸗
	        
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