Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 1818. 
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schaft kommen vor der Einwirkung jener wirtschaftlichen und 
sozialen Reformgesetzgebung, von der wir im vorigen Kapitel 
gehört haben? Die gesamte Entwicklung des politischen 
Denkens der Nation vor etwa 1808 und 1809 entbehrte der 
unerläßlichen und aufs entschiedenste vorwärts treibenden 
Untertöne, welche diese Gebiete zu dem symphonischen Werke 
der politischen Erziehung eines Volkes liefern. 
Was uͤbrig blieb und sich seit 1806 und 1807 in der Tat 
mmer stärker entfaltete, war die Scham und die Trostlosig⸗ 
keit über das äußere Unglück des Vaterlandes: Gefühle also 
mehr als Interessen. Gewiß waren das Elementargefühle; in 
Zeiten schwerster Erregung der Nation in allen ihren Kreisen 
ist immer wieder an sie angeknüpft worden; im Jahre 1870 
hat man unter den Beleidigungen Napoleons III. an erster 
Selle des Ubermutes Napoleons J. und der Raubsucht 
Ludwigs XIV. gedacht; nicht bloß die Szene in Ems, sondern 
das niemals völlig verglommene Gefühl einer zweihundertjährigen 
Beleidigung hat die Nation mobil gemacht. 
Aber felbst dieses Gefühl, wie es allmählich immer weitere 
Kreise ergriff, war zumeist noch gleichsam unumschrieben und be⸗ 
dingte mehr das Pathos eines unbestimmten Tatendranges als ein 
Programm planmäßigen Vorgehens. „Die Schönheit ist für 
ein glückliches Geschlecht; aber ein unglückliches muß man er⸗ 
haben zu rühren suchen“: diese Worte Schillers könnte man 
den Jahren vor 1808 und 1809 als Losung vorschreiben: 
Ahnung politischer Leidenschaft war es. was sie an erster 
Stelle kennzeichnete. 
Und es darf als charakteristisch gelten, daß diese Stimmung 
nirgends einen klassischeren Ausdruck gefunden hat als in der 
Musik — und daß diese Musik auf dem Boden Hsterreichs, in 
Wien ertönte. Eben in der Zeit, da die Herrscher Europas in 
Erfurt zu den Füßen Napoleons saßen, vollendete Beethoven, 
dieser größere Held jener Jahrzehnte, seine C-·moll⸗Symphonie. 
Und nachdem er in der „Eroica“ sehr wider sein eigentliches Wollen 
mit der nunmehr als theatralisch erkannten Heldengröße des 
Korsen gebrochen hatte, malte er in ihr jetzt die Erschütterung
	        
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