Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

336 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
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auswirken in einer nationalen Erziehung: und für diese Er— 
ziehung sollen maßgebend sein die Grundsätze Pestalozzis. 
Es ist eine erste Stufe nationaler und politischer Ver⸗ 
mählung frühsubjektivistischen Geistes mit den Tiefen und Höhen 
der nationalen Gesellschaft, die hier grundsätzlich vorbereitet 
wird; es ist ein erster Versuch, Körper und Geist der natio— 
nalen Entwicklung wieder gegeneinanderzupassen und dadurch 
als ein Ganzes fähig zu machen zu höchsten Leistungen des 
Volkes überhaupt. Es ist ein der deutschen Entwicklung 
selbst folgerichtig eingeschriebenes, erstmaliges Erwachen nach 
dem Vorgange des nationalen, längst schon politisch gewandten 
Sonderlebens der Schweiz. 
Aber war es als solches geeignet, alsbald aus den Fähr⸗ 
lichkeiten der bestehenden politischen Lage herauszuführen? Be— 
dingte es eine rasche und unmittelbare Vorbereitung zum 
Aufstand gegen die Fremden? Die französischen Kontroll— 
behörden Preußens haben gegen den Druck von Fichtes Reden 
von Zensur wegen nichts einzuwenden gehabt; sie schienen 
ihnen ungefährlich gegenüber der augenblicklich gegebenen Lage. 
Sie haben dabei noch richtig geurteilt. In tiefem Schmerze 
begann die Nation zu leben; mitnichten schon war sie zu 
wütender Abwehr bereit. 
Gleichwohl hat sterreich bereits im Jahre 1809, wenn⸗ 
schon aus besonderen politischen Motiven, so doch auch im Ver⸗ 
trauen auf die Stimmung der Nation gegen Frankreich, zu den 
Waffen gegriffen. Es war ein edler Irrtum, dem vor allem 
das Kaiserhaus selbst unterworfen war. Schon im Februar 
1807 hatte Erzherzog Johann, der Liebling der inneröster— 
reichischen Länder und freilich auch der deutscheste aller Erz⸗ 
herzöge, eine politische Denkschrift mit den Sätzen geschlossen: 
„Es scheint, als wenn sich der Augenblick nähere, wo die Vor— 
sehung sterreich die Mittel reichen wird, die bedrängte Mensch— 
heit zu retten; dieser Augenblick werde ja nicht versäumt, alles 
angewandt, damit die Wahrscheinlichkeit des Gelingens Öster⸗ 
reich zuteil werde; denn es ist der Augenblick, der das Dasein 
dieses Staates entscheidet. Nur ernstlichen Willen und Be—
	        
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