Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

342 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
begeisternden Mannes vollständig; scheinbar in reinster Überein— 
stimmung schieden sie voneinander, nachdem sie über die nächsten 
politischen Handlungen wiederholte Rücksprache genommen 
hatten. Da sollte England durch gemeinsame Verhandlungen auf 
Grund des gegenwärtigen Besitzstandes womöglich zum Frieden 
gezwungen werden: was Anerkennung der Vorherrschaft Frank⸗ 
reichs in Spanien, der Herrschaft Rußlands in Finnland, in 
der Moldau und in der Walachei bedeutete. Da verpflichtete 
sich Napoleon, hierüber hinaus, die Abtretung der Donau— 
fürstentümer durch die Türkei an Rußland gütlich zu erwirken. 
Und sollte sie so nicht erreicht werden können und sollte sich 
dann sterreich auf seiten der Türkei gegen Rußland zur 
Wehr stellen, so versprach der Kaiser dem Zaren, auf seine 
Seite zu treten: wie dieser auf seiten des Kaisers treten wird, 
falls Osterreich den Kampf gegen Frankreich eröffnet. Wenn 
sich nun aber England nicht auf den ihm zugemuteten Traktat 
einlassen würde? Dann sollte es einen gemeinsamen Kampf 
gegen das unfriedfertige Albion gelten: zu welchem sich Kaiser 
und Zar binnen Jahresfrist über gemeinsame Kriegsoperationen 
verständigen würden. 
So schien denn alles wohlgeregelt. Und dennoch zogen 
leise Verstimmungen durch die Seelen der Kaiser des Ostens 
und Westens, als sie Erfurt verließen. Napoleon, der unter 
Verstoßung seiner Frau, der treuen Josephine, an eine neue 
Heirat zur Begründung einer fürstlichen Dynastie dachte, war 
mit seinem versteckten Werben um eine russische Großfürstin 
abgewiesen worden; zudem hatte ihm Alexander eine Ein⸗ 
wirkung auf Osterreich, damit dieses die französische Herrschaft 
in Spanien anerkenne, versagt; der Zar war wenig erfreut 
darüber, daß seine Versuche, die Kontributionslast des unglück— 
lichen Preußens zu erleichtern, nur geringen Erfolg gehabt 
hatten: er mußte wohl sehen, daß Napoleon die Verwendung 
Preußens in seinem ausschließlichen Interesse einer Lockerung 
der bestehenden Verpflichtungen vorzog, die dem Lande eine 
rine Freiheit der Bewegung gegenüber Rußland ermöglicht 
ätten.
	        
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