Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

344 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
wäre hierzu vielleicht zu bewegen gewesen. Aber eben jetzt 
blieb Osterreich bedenklich, um schließlich zu versagen. 
Gegen Ende 1808 aber waren die spanischen Schwierig⸗ 
keiten für Napoleon schon beseitigt. Am 5. November war er 
in Vittoria angelangt, hatte den Oberbefehl übernommen, 
gesiegt und binnen vier Wochen die Lage so verändert, daß 
er anfangs Dezember seinem Bruder, dem spanischen Schein⸗ 
könig, Madrid und das spanische Reich von neuem unterstellen 
konnte. Und schon am 17. Januar 1809 zog er, wiederum 
einmal triumphierend, durch die Tore von Paris. 
Unter diesen Umständen mußte eine Erhebung Preußens 
und Osterreichs in nächster Zeit als ausgeschlossen gelten. In 
der Tat versagte sich jetzt Preußen, und ebensowenig gelang 
es sterreich, außerhalb Deutschlands eine Koalition gegen 
Napoleon zustande zu bringen. Dennoch hat Osterreich im 
Frühjahr 1809 den Kampf gegen den Imperator eröffnet. 
Fragt man nach den Motiven, so sind sie, bei aller 
Schwierigkeit ihres Verständnisses im einzelnen, in der Gesamt⸗ 
lage allerdings zur Genüge gegeben. Hatte Osterreich nicht seit 
dem Frieden von Basel das eigentliche Zentrum aller franzö⸗ 
sischen Angriffe gebildet? Man erkannte in Frankreich wohl, 
daß es nicht bloß der Hort des Legitimismus war, sondern 
auch derjenige Staat, der unbedingt gestürzt werden mußte, 
wollte man das politische Antlitz Europas wirklich gründlich 
verändern, der Staat, in dem, wie vielleicht noch heute, die 
politische Aufteilung Europas wie in einem unentbehrlichen 
Bestandteil gipfle. Damit stand es fest, daß Napoleon sich, 
nach seinen spanischen Erfolgen, unbedingt an erster Stelle 
gegen sterreich wenden mußte; Graf Stadion, ja wohl alle 
Männer, die in diesem Augenblicke auf die österreichische 
Politik Einfluß hatten, haben dies wohl erkannt. Sollte man 
dann aber den Angriff Napoleons abwarten? Die Meinung 
ging schließlich dahin, es sei ihm zuvorzukommen. 
Was aber dabei schließlich den Ausschlag gegeben haben 
mag, das war, neben Nachrichten über Napoleon ungünstige 
französische und namentlich Pariser Stimmungen, an erster
	        
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