Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

346 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
des ersten Planes hatte nicht bloß die Entlassung des General⸗ 
stabschefs und damit Unordnungen in dem Generalkommando 
sowie eine Unsumme von Marschschwierigkeiten der in Böhmen 
aufgereihten Truppen, die nach dem Donaugebiete gebracht 
werden mußten, zur Folge: es gewährte vor allem auch Napoleon 
Zeit, in fast voller Ruhe die Anstalten zur Durchführung seines 
strategischen Planes zu treffen, der auf ein unmittelbares Los⸗ 
marschieren auf Wien hinauslief. 
Am 17. April kam Napoleon in Donauwörth an und 
übernahm den Oberbefehl; es war der Beginn einer ersten 
Phase des Feldzugs, die noch auf bayrischem Gebiete verlief. 
Entscheidend war in dieser Zeit eine Anzahl von Gefechten 
an der Abens, am 20. April, die man unter dem Namen der 
Schlacht von Abensberg zusammenzufassen pflegt; in ihrem 
Verlaufe zerschnitt Napoleon mit seinem Zentrum, das vor—⸗ 
nehmlich aus bayrischen und württembergischen Truppen be— 
stand, die österreichische Armee derart, daß einer ihrer Teile 
nach Süden, der andere nach Norden auswich: schon eröffnete 
sich die Aussicht eines freien Weges nach Wien. Doch galt 
es vor allem, die beiden Teile noch kampfunfähiger zu machen. 
Es gelang gegenüber den südlichen Massen in dem Gefechte 
von Landshut (21. April) und gegenüber den nördlichen, bei 
denen sich das Oberkommando befand, in der Schlacht von 
Eckmühl (22. April), in deren Verlauf Napoleon persönlich 
eingriff: am Abend des 22. April schon war das Schicksal des 
Feldzugs in Bayern entschieden; Erzherzog Karl, der sich in 
Regensburg befand, mußte nach Böhmen zurückweichen. 
Napoleon aber wandte sich jetzt mit seiner Hauptmacht dem 
Inn zu; geradesten Weges und unaufhaltsam drängte er gegen 
Wien, die Hauptstadt des Reiches. 
Sollte aber Osterreich nunmehr, nach so kurzen Tagen des 
Kampfes, schon Frieden schließen? Erzherzog Karl war dieser An⸗ 
sicht — derselbe Mann, der vor wenigen Monaten, ja Wochen, 
besonders zum Kriege gedrängt hatte; und wurde sein Rat nicht 
befolgt, so war dies nur das Ergebnis einer sehr entschiedenen 
Gegenwirkung der Kaiserin; klar hat sie damals zugleich in
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.