Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

348 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
So begann man denn in Gottes und der Muttergottes 
Namen den Kampf. Die Pustertaler Bauern und die Bauern 
der reichen Gelände um Brixen standen auf und trieben den 
Feind aus dem südlichen Innersten des Landes gegen den 
Brenner. Und als ihnen hierbei zwischen Brixen und Sterzing 
eine französische Truppe begegnete, die im Begriffe war, von 
dem deutschen Kriegsschauplatze nach dem italienischen hinab 
abzusteigen, so zerrissen sie diese Truppe in einem mörderischen 
Kampfe an der Laditscher Brücke in zwei Teile, so daß sie die 
Brennerstraße teilweise aufwärts, teils abwärts flüchten mußte. 
Inzwischen waren aber auch die Passeirer und die Burggräfler 
Bauern lebendig geworden und hatten bei Sterzing ein bayrisches 
Bataillon vernichtet: schon konnte das Land südlich des Bren— 
ners als befreit gelten. 
Zugleich war nun aber auch wirklich Verbindung mit den 
Kaiserlichen gewonnen worden. Von dem Heere, das aus Inner⸗ 
österreich unter dem Kommando des Erzherzogs Johann nach 
Italien vorbrechen sollte, hatte der Erzherzog einen Teil eines 
Armeekorps unter dem den Tirolern wohlbekannten Marquis 
de Chasteler von Kärnten das Pustertal hinaufgesandt: und 
dieser vereinigte sich jetzt mit dem Bauernhaufen füdlich des 
Brenners. 
Die Bauern aber hatten inzwischen auch nördlich des 
Brenners nicht gesäumt. Vom Inntal mit seinen breiten Frucht⸗ 
gefilden und behäbigen Anwesen ging hier die Bewegung 
erstlich aus; schon am 11. April 1809 standen 11000 Bauern 
vor Innsbruck. Wie wollten sich dieser Übermacht gegenüber 
die Bayern halten? Am 12. April nahmen die Bauern Inns⸗ 
bruck, machten das bayrische Regiment Dietfurt nieder und 
setzten den kommandierenden General Kinkel gefangen. Und 
das Los der Franzosen, die inzwischen von dem Haufen jen—⸗ 
seits des Brenners auf diesen zurück getrieben worden waren, 
war nicht viel besser: sie mußten kapitulieren. Damit war 
denn auch der Norden frei; in frohem Siegeszuge erschien 
Chasteler schon am 15. April in Innsbruck von jenseits des 
Brenners; und während streitbare Zillertalerinnen die ge—
	        
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