Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

50 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
österreich aufbreche. Am 1. Mai machte der Erzherzog kehrt 
und gewann langsam, unter verlustreichen Gefechten am Piave, 
Kärnten und Krain, Klagenfurt und Laibach. 
Es war zu einer Zeit, da die Franzosen, nach raschem 
Marsche donauabwärts, schon vor Wien standen, ja Wien, 
nach einer lächerlichen Verteidigung durch den Erzherzog Maxi⸗— 
milian, bereits genommen hatten. 
Einige Tage nach diesem Ereignis, am 16. Mai, erschienen 
denn auch die Spitzen der vom Erzherzog Karl über Böhmen 
geführten kaiserlichen Armee in der Höhe Wiens, auf dem 
Marchfelde, und sammelten sich auf diesem zu der noch immer 
beträchtlichen Stärke von 90 000 Mann zu Fuß und 185200 zu 
Rosse. Es war eine Summe schlachtbereiter Krieger, der 
Napoleon etwa 96000 Mann Infanterie und 19300 Reiter 
gegenüberstellen konnte: nahezu gleich waren die Kräfte verteilt. 
Diese Massen haben dann, am 21. und namentlich 22. Mai 
— einem Pfingstdienstag — die Schlacht von Aspern und Eß— 
ling geschlagen. Man weiß, wie Napoleon auch diese Schlacht 
als einen Sieg der französischen Waffen verkündet hat. In 
Wahrheit endeten die schweren Kämpfe mit seinem Rückzuge, 
wenn er diesen auch, unter den schwierigsten Umständen, auf 
schwankender Brücke über die Donau, geregelt durchzuführen 
verstand. So war denn der Erfolg in der Tat, trotz der un— 
geheuren Verluste auf beiden Seiten, für Österreich nicht ent— 
scheidend, wenngleich eine ganz andere Ausnutzung der Schlacht 
hätte eintreten können, als sie die Bedenklichkeiten Erzherzog 
Karls zuließen. Doch unbestritten blieb Osterreich der moralische 
Gewinn, und breit und tief durch ganz Deutschland hin wurde 
er empfunden und bejubelt. Denn jetzt schien nun doch der 
nordische Dichter recht zu behalten, dessen Zuruf von Königsberg 
her österreichische Herzen getroffen hatte: 
Zieh' es siegreich, Kaiser Franz, 
Dieses Schwert der edlen Rache! 
Für der Freiheit große Sache! 
Für der Habsburg alten Glanz!
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.